Pulisics fluch: vom superheld zur leeren hülle – milans us-star kämpft gegen sich selbst

Es war einmal ein Flügelstürmer, der jeden Ball in Gold verwandelte. Christian Pulisic schoss bis Weihnachten 2025 ein Tor alle 74 Minuten, dann riss der Faden. Seit 13 Spielen wartet der US-Kapitän auf einen Treffer, Milan bangt um seine Champions-League-Plätze – und im Trainingslager von Milanello fragen sich alle: Was ist mit Capitan America los?

Die zahlen lügen nicht: null tore, null assists seit dezember

Der freie Fall ist statistisch messbar. Aus einer Quote von 0,94 Treffern pro 90 Minuten wurde im neuen Jahr eine große Null. Kein Ball landete mehr im Netz, kein Pass fand einen Mitspieler. Die Konsequenz: Trainer Massimiliano Allegri musste seinen Offensivplan umbauen, Rafael Leao schrie ihm auf dem Platz seine Missbilligung entgegen, und die Curva Sud begann, einstige Liebeslieder in Pfiffe umzudichten.

Die Probleme begannen nicht mit einem Knall, sondern mit einem Summen. Bereits im Sommer meldete sich Pulisics Sprunggelenk, dann folgte ein Mikroriss im Bizeps femoris, anschließend Adduktoren-Beschwerden und zuletzt eine Bursitis. Keine Einzelverletzung war dramatisch, aber das Sammelsurium bremste seine Explosivität. Wer früher zwei Gegner aussteigen ließ, verliert nun den entscheidenden Meter – und damit die Selbstsicherheit.

Leao und pulisic: zwischen schweigen und schuldzuweisungen

Leao und pulisic: zwischen schweigen und schuldzuweisungen

Im Derby gegen Lazio sprintete Leao in den Sechzehner, Pulisic sah ihn nicht. Der Portugiese schlug die Arme hoch, die Bilder gingen viral. Allegri musste in der Pressekonferenz Schlichtung spielen: „Christian hat Rafa einfach nicht wahrgenommen, sonst hätte er den Pass gegeben.“ Was wie ein Nebensatz klingt, ist ein Spiegelbild ihrer Kommunikation: zwei Stars, zwei Tempi, keine gemeinsame Sprache.

Milans Analyseabteilung lieferte den Coaches einen weiteren Befund: Pulisic deckt in Ballbesitzphasen zusätzliche Meter, weil Leao defensiv nur Jogging-Tempo anlegt. Die Folge: Der US-Boy läuft sich in Rotationsbewegungen tot, während der Portugiese auf Bewachung wartet. Eine Rollenumkehr, die beiden schadet.

Vertrags-poker, heim-wm und die angst vor dem einkauf

Vertrags-poker, heim-wm und die angst vor dem einkauf

Neben dem Platz lauert das nächste Zeitproblem. Pulisics Vertrag läuft 2027 aus, doch die Verhandlungen stocken. Sportdirektor Giorgio Furlani will Gehalt und Leistung an neue Boni koppeln, Berater Roger Wittmann pocht auf eine signifikante Erhöhung. Dazwischen steht ein Spieler, der weiß: 2026 findet in den USA eine Heim-WM statt – als kaputtgemachter Joker oder als Top-Star.

Die Fans werden ungeduldig. Auf Social-Media-Kanälen kursiert das Meme „Pulisic = Pullover“: ein warmes Ding, das man im Winter anzieht, das aber schnell auszieht, sobald es heiß wird. Die Kurve will Tore, nicht Ausreden. Und Milan? Der Klub braucht jeden Punkt im Kampf um die Champions-League-Millionen.

Am Sonntag kommt der FC Turin. Allegri kündigte an, Pulisic erneut von Beginn an zu bringen. Die Bahn ist frei, die Ampel steht auf Gelb. Ein Tor könnte den Knoten zerplatzen lassen – oder die nächste Diagnose folgen. Die Uhr tickt, der Druck steigt. Capitan America muss sich entscheiden: Entweder er wird wieder der Alchemist oder bleibt die leere Hülse. Milan wartet, die WM auch.