Schmiedt fliegt blind nach cortina: trainingschaos stoppt deutschen snowboard-hoffnungsträger
Die Daune der italienischen Dolomiten ist noch nicht einmal richtig aufgeflogen, da schon der erste Einschlag: Christian Schmiedt, Deutschlands einziger Para-Snowboarder in Cortina, durfte seinen eigenen Parcours nicht fahren – weil die Streckenposten nach fünf spektakulären Abflügen die rote Flagge schwenkten. Ein Trainingstag weg, eine Medaille in Gefahr.
Crash-alarm im training: sicherheitsleiter zieht notbremse
Die neue Cross-Piste, extra für die Paralympics aus dem Fels gesprengt, gilt als technisch anspruchsvoller als jede vorherige WM-Strecke. Am Donnerstag probierte sie Schmiedt erstmals aus – mit 37 Jahren und nur 24 Stunden Zeit, um jeden Meter zu verinnerlichen. „Beeindruckend, was da nur für die Paralympics hingebaut wurde“, sagte er noch, bevor das Chaos losging.
Am Freitag sollte die letzte Generalprobe folgen. Doch nach mehreren harten Aufschlägen – ein Athlet musste mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch abtransportiert werden – stoppte die Rennleitung das Training kurz vor Schmiedts Startnummer. Resultat: Keine einzige Zeitenmessung, kein Gefühl für Sprungkanten, kein Plan B.

„Im cross kann alles passieren“ – schmiedts motto klingt plötzlich nach selbsttäuschung
Die Medaillenentscheidung in der SBX-Klasse LL2 steht am Sonntag an. Schmiedt, seit Jahren Weltcup-Podiumsgast und Betriebsprüfer aus Leidenschaft, muss nun aus dem Stand ins Viertel-Finale starten. „Ich weiß kaum etwas über den Kurs“, räumt er ein. „Aber das geht den meisten so.“
Die Statistik spricht eine andere Sprache: Seit Peking 2022 hat sich die internelle Konkurrenz auf diese Strecke spezialisiert, während Schmiedt wegen seiner Vollzeitstelle nur an Wochenenden trainieren kann. Seine Zielsetzung klingt dennoch kämpferisch: „Top-Acht“, sagt er. „In kleinen Schritten nach vorne.“
Ob es am Samstag noch einen Ersatzlauf gibt, entscheidet das Technische Komitee – und das wiederum hängt von der Wetterlage ab. Schneefall würde die Sichtschrägen verändern, dann ist ohnehin Neubau angesagt. Schmiedt bleibt nur eins: „Ich bin gut drauf, die Vorfreude ist da.“
Die Vorfreude allein reicht aber selten für Podestplätze. Und so steht der deutsche Snowboardverband vor demselben Dilemma wie vor vier Jahren: Ein Athlet, eine Chance – und ein Kurs, der niemanden gnädig sein wird.
