Schmadtkes hannover-exit nach 92 tagen: becker springt in die bresche

92 Tage hat es gedauert, bis Jörg Schmadtke bei Hannover 96 wieder von der Bildfläche verschwand. Der Deal ist geplatzt, die Aufstiegsplanung liegt vorläufig bei Ralf Becker – und der hatte erst zwei Stunden Vorlauf.

Kein geld, kein vertrag, keine diskussion

Die Trennung kam, wie der Verein am Samstag mitteilte, „im beiderseitigen Einvernehmen“. Wer den Verlauf der letzten Wochen kennt, weiß: dahinter steckt ein Machtkampf, den Schmadtke verloren hat. Er wollte mehr Spielraum im Etat, die Geldgeber um Martin Kind signalisierten: bis hier und nicht weiter. Keine Einigung, keine weitere Zusammenarbeit. Becker, der Sportdirektor, wurde zum Notnagel – und musste die Nachricht genauso erfahren wie die Fans.

Seit Sonntag sitzt der 55-Jährige nun auch an Schmadtkes Schreibtisch, zumindest interimistisch. „Ich bin in vielen Themen drin, aber der Finanzteil ist noch nicht ganz angekommen“, gibt er offen zu. Die Budgetplanung für die kommende Saison? „Ein Schritt, der noch kommen wird.“ Das klingt nach einem Verein, der kurz vor dem Saisonendspurt lieber über Fußball als über Finanzen redet.

Die nächsten gegner machen die tür auf – oder zu

Die nächsten gegner machen die tür auf – oder zu

Mit zwei Punkten Rückstand auf Rang zwei ist der Traum vom Bundesliga-Comeback realistisch. Doch das Restprogramm ist ein Gruselkalender: Elversberg, Darmstadt, Paderborn, Karlsruhe, Münster, Bochum, Nürnberg. Kein Gimme, kein Selbstgänger. „Wir müssen performen, sonst wird das nichts“, sagt Kind knapp. Der Fokus liegt auf Sport, nicht auf Personalsuche.

Die Suche nach einem neuen Geschäftsführer läuft dennoch schon. Schließlich hatte man Schmadtke nur geholt, weil Marcus Mann nach Salzburg abgewandert war. Nun steht Hannover wieder am Anfang – und die Uhr tickt. Die Lizenzierungsfrist für die nächste Saison rückt näher, der Kader will planbar sein, die Infrastruktur braucht eine Leitung. Becker kann das alles nebenbei nicht stemmen.

Die lektion: geld regiert die roten

Die lektion: geld regiert die roten

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Hannover 96 ist bereit, auf dem Rasen zu träumen, aber nicht, in der Verwaltung zu zahlen. Schmadtke wollte mehr Spielraum, bekampfte alte Knäste – und scheiterte. 92 Tage, null Transferoffensive, ein kaputter Vertrag. Die Meisterfrage wird nicht in der Vorstandsetage entschieden, sondern auf dem Platz. Wenn dort keine Antwort kommt, wird der nächste Geschäftsführer dasselbe Problem erben: ein Verein mit Aufstiegsambitionen, aber ohne Aufstiegsbudget.