Bvb jagt book: elversbergs perlenfinder soll kehl beerben
Die Trennung von Sebastian Kehl war kein Schnellschuss, sondern ein Geheimdienstmanöver. Längst hatten Lars Ricken und Carsten Cramer im stillen Kämmerlein eine Liste mit Kandidaten, die den BVB wieder zu dem machen sollen, was er einmal war: ein Talent-Schmelztiegel mit Verkaufsrausch. An Spitze dieser Liste steht nun ein Name, der außerhalb der Szene kaum ein Klacks ist: Nils-Ole Book.
Warum ausgerechnet der sportvorstand eines zweitligisten?
Book ist kein Promi, er ist ein Architekt. Unter seiner Federführung stieg die SV Elversberg aus der Regionalliga auf und schob sich bis an die Tür der Bundesliga. Dahinter steckt kein Mammutbudget, sondern ein Prinzip: junge Spieler finden, formen, feilschen, verkaufen. Nick Woltemade, Paul Wanner, Fisnik Asllani – sie alle kamen als Rohdiamanten und gingen als Edelsteine. Genau dieses Modell verfolgt der BVB seit Jahren, aber mit zunehmender Ungenauigkeit. Book soll die Schieflage korrigieren.
Dass der 40-Jährige aus Beckum stammt, liegt dem Klub wie ein zusätzlicher Bonus. Kein Umzug, keine Eingewöhnung, kein Kulturschock. Book kennt das Revier, kennt die Fußball-Schaltstellen, kennt die Eitelkeiten zwischen Ruhrpott und Münsterland. Auch deshalb war er bereits vergangene Saison bei Borussia Mönchengladbach heiß begehrt, entschied sich aber für die Verlängerung in Elversberg. Jetzt könnte der Zeitpunkt reif sein für den Sprung in die erste Reihe.

Kehls erbe: ein milliarden-projekt mit makeln
Kehl hatte das Amt des Sportdirektors nie als bloße Bürojob verstanden. Er wollte gestalten, strahlen, präsent. Doch intern wuchs der Frust über Transfers, die mehr kosteten als sie einbrachten, über Strukturen, die sich verzettelten. Die Trennung am Sonntag war deshalb kein Tabubruch, sondern ein Schnitt im Nebel. Ricken und Cramer wollen wieder zu dem zurück, was den BVB einst groß machte: kauf niedrig, verkauf hoch, spott ob der Konkurrenz. Book passt in dieses Korsett wie der letzte Puzzlestein.
Die Entscheidung dürfte bald fallen. Die Planung für die kommende Saison läuft bereits auf Hochtouren, Scoutings sind terminiert, Budgets kalkuliert. Wer jetzt zögert, verliert. Und der BVB kann es sich nicht leisten, erneut den Anschluss an die Spitze zu verspielen.
Book selbst schweigt, wie es sich für einen Mann geziert, der weiß, dass sein Marktwert gerade steil nach oben schnellt. Aber die Zahlen sprechen für ihn: 23 Spieler aus der eigenen Jugend oder mit maximal zweijähriger Verweildauer in Elversberg wechselten unter seiner Ägide in höhere Klassen oder zu größeren Klubs. Ein Transfervolumen von unter fünf Millionen Euro generierte daraus Einnahmen von über 30 Millionen. Wenn das kein Argument ist, was dann?
