Schenderleins milliarden-allianz: warum das neue sportfördergesetz den dosb spaltet
350 Millionen Euro, ein leeres Podest und ein Machtpoker, der sich wie ein Triathlon ohne Zielband liest. Heute beschließt das Kabinett den Entwurf für ein Sportfördergesetz, das endlich wieder Edelmetall regieren soll – doch zwischen den Zeiten brodelt ein Verbandskrieg, der die Athleten als erste verlieren.
Die britische geisteragentur, die alle zitieren, aber keiner haben will
Schenderlein schickt sich an, „UK Sport light“ nach Leipzig zu pflanzen. Zwei Stiftungsvorstände sollen künftig entscheiden, wer vom Bundesfass trinkt, wer sich mit Trockenübungen begnügen muss. Das Kalkül: Weniger Papierkram, mehr Podestplätze. Die Realität: Der DOSB erhält nur drei Sitze im Aufsichtsrat, Berlin behält sechs. Otto Fricke schlägt mit der Faust auf den Tisch und spricht von „staatsdominiertem Sport“ – ein Satz, der in jedem Clubheim sofort Rot im Strafraum bedeutet.
Doch Leipzig ist noch nicht gesichert. Frankfurt am Main wirbt mit Nähe zum DOSB-Hauptquartier, Markus Söder schickt bayerische Vetos ins Rennen und blockierte das Kabinett schon einmal. Wer denkt, es gehe um Sport, verpasst das Spiel um Jobs, Einfluss und Immobilien.

Die athleten bekommen ein zuckerpapier statt vetorecht
Johannes Herber liest den 63-Seiten-Entwurf und atmet schwer. „Fassungslos“, sagt der Athleten-Sprecher, weil der Sportfachbeirat nur berät, nicht entscheidet. Missbrauchsklauseln? Formuliert wie ein freiwilliger Fair-Play-Eid. „Wir wollen über Athleten entscheiden, aber nicht mit Athleten“, lautet die Botschaft, die Herber zwischen den Zeiten liest. Seine Forderung: ein eigenes Stimmrecht im Stiftungsrat – sonst bleibe der neue Laden ein Gutachter-Kabinett ohne Herz.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2018 stieg die Förderung um 38 Prozent, die Medaillenquote bei Winterspielen fiel um 27 Prozent. Wenn Geld allein Titel erkauft, müsste Deutschland inzwischen eine Medaillen-Fabrik betreiben. Stattdessen diskutiert man im Kanzleramt über Postleitzahlen.

Warum das gesetz erst 2027 richtig brennt
Selbst wenn Bundestag und Bundesrat diese Woche grünes Licht geben, fließt kein neuer Euro, bevor die Agentur 2025 ihre Tore öffnet. Dann dauert es zwei weitere Jahre, bis erste Erfolge sichtbar sein sollen. Bis dahin müssen Athleten wieder mit kurzfristigen Drittmittel-Patches trainieren, während Verbände interne Machtkämpfe austragen. Die nächsten Olympischen Spiele 2028 stehen vor der Tür – und die deutsche Delegation reist mit einem Gesetz an, dessen Wirkung erst danach eintritt.
Schenderlein nennt das „klaren Handlungsauftrag“. Fricke nennt es „Augenhöhe verpasst“. Herber nennt es „Sport ohne Sportler“. Am Ende zählt nur der Scoreboard-Klick in Mailand-Cortina – und der war für Deutschland so kalt wie die Eisdecke im Brenner-Tunnel. Das neue Gesetz soll das ändern. Doch wenn der Startschuss fällt, stehen sich Politik, Verband und Athleten noch immer auf derselben Laufbahn – und schauen in unterschiedliche Richtungen.
