4:1-Knaller gegen arbeloa, dann ruf ins real-büro: der trainer, der madrid ärgert

Jon Erice trat am 11. Januar aus dem Estadio Municipal de Gobela heraus, eine 4:1-Klatsche gegen Real Madrid Castilla in der Tasche – und keine Ahnung, dass er damit den Kopf von Álvaro Arbeloa kostete. Wenige Stunden später saß Arbeloa auf dem Trainerstuhl von Real Madrid, Erice aber immer noch auf dem Beton von Getxo, wo der Arenas Club mit dem kleinsten Etat der Primera Federación gerade die nächste Sensation schreibt.

Der letzte sieg vor dem tsunami

Erice braucht einen Moment, um sich an das Datum zu erinnern. Nicht der Score, sondern der Tag selbst brennt sich ein: letztes Heimspiel der Hinrunde, frische Vorstandsbank, Stimmung wie vor einem Sturm. Dann erst fällt ihm das 4:1 ein – ein Ergebnis, das in dieser Saison nur Tenerife und Arenas gegen das Castilla schafften. „Ich dachte: okay, ich bin auf Augenhöhe mit denen, die neben mir arbeiten“, sagt er knapp. Kein Jubel, keine Sprüche. Nur diese nüchterne Erkenntnis.

Arbeloa eilte nach dem Schlusspfiff den Tunnel hinunter, die beiden Trainer verpassten sich in der Mixed Zone. Zuhause in Pamplona blinkte das Handy: „Du hast gerade den neuen Real-Coach geschlagen.“ Seine Brüder wussten bis dahin nicht einmal, dass Arbeloa überhaupt die Castilla trainierte. Die Nachricht, dass der 39-Jährige nun die Königlichen übernimmt, erreichte sie simultan mit dem Foto von ihm und Erice – der letzte, der ihn noch vor dem großen Sprung blamierte.

Getxo, wo der fußball älter ist als die bernabéu-tribüne

Getxo, wo der fußball älter ist als die bernabéu-tribüne

Erice landete im Sommer per Zufall im Arenas de Getxo, gegründet 1909, Copa-del-Rey-Sieger 1919, heute Zwerg neben dem Koloss Athletic Bilbao. „Die Größe des Athletic hat die umliegenden Klubs jahrzehntelang erstickt“, sagt er. Ohne die Leihgaben der Lions stünden die 18 Profiverträge des Arenas ökonomisch auf tönernen Füßen. Abhängigkeit und Dankbarkeit liegen hier dicht beieinander.

Mit 650.000 Euro Etat – das ist weniger, als manche Drittligateure für einen Winterzweitligaspieler locker machen – führt Erice eine Truppe, die zu 60 Prozent aus eigenen Jugendspielern besteht. „Junge Spielern überzeugst du mit Taten, nicht mit PowerPoint“, sagt er. Das Trainingsziel reicht maximal bis zum nächsten Sonntag. „Wir haben weder Kapazität noch Energie, über Spieltag hinauszudenken.“

Valverde, nicht mbappé, ist der motor

Valverde, nicht mbappé, ist der motor

Wenn Erice vom aktuellen Real Madrid spricht, schwärmt er nicht von Bellingham oder Vinícius. „Ohne Federico Valverde ist das eine völlig andere Mannschaft“, stellt er klar. Courtois nennt er „brilliant“, aber Valverde wäre der Spieler, den er klauen würde. Die These, Arbeloa habe Guardiola, Mourinho und Simeone nacheinander ausgeschaltet, wischt er beiseite: „Der Real Madrid eliminiert den City – egal, wer auf der Bank sitzt.“

Dabei kritisiert er die Trennung von Xabi Alonso scharf: „Vier Punkte hinter Barça, Achtelfinale der Champions League, Pokal – für mich völlig unverständlich.“ Arbeloa habe dagegen verstanden, „das Wappen, die Größe des Klubs, das Narrativ“ zu bedienen – und genau das verkauft sich in der Valdebebas-Vorstandsetage.

60 Prozent castilla taugen für laliga

60 Prozent castilla taugen für laliga

Was er Arbeloa zugutehält: den Mut zur Jugend. Mario Martínez, Palacios, Pitarch – Namen, die Erice in einem Atemzug nennt. „Der Castilla-Kader ist zu 60 Prozent Liga-tauglich“, sagt er. Er selbst scoutete sie, bevor er sie demolierte. Die Ironie: Je besser die eigene Arbeit, desto schneller verschwinden die Talente in den Katakomben des Bernabéu.

Und während Arbeloa nun im Sauron-Scheinwerfer der Medien steht, sitzt Erice in der Kabine des Arenas und bereitet die Reise nach Algeciras vor. „Fußball ist der einzigeSport, der dir erlaubt, mit mikroskopischem Budget Giganten zu schlagen“, sagt er. Der Beweis steht in der Tabelle: Arenas auf Relegationsplatz, Real Madrid im Viertelfinale – und beide vereint durch ein 4:1, das niemand so schnell vergessen wird.