Koke steht vor dem 45. derby: bernabéu wird zur bühne seiner letzten schlacht
45 Mal hat er schon gegen Real Madrid gespielt, doch nie zuvor war ein Derby so geladen wie dieses. Koke, 31, zieht heute Abend mit dem Bändchen des Atlético Madrid ins Bernabéu – und vielleicht zum letzten Mal.
Ein leben in rot-weiß wird auf 90 minuten gekocht
Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Kein neues Angebot liegt auf dem Tisch, kein Handschlag, kein Tweet. Die Entscheidung trifft allein der Mann, der 2013 die Copa-Fahne auf dem Rasen des Bernabéu verankerte und damit eine 14-jährige Durststrecke beendete. Seitdem hat Atlético Madrid den Clásico der Stadt neu erfunden – mit Koke als Metronom im Zentrum.
Die Zahl 45 ist keine Statistik, sie ist ein Stück Stadtgeschichte. Kein Spieler schaltete häufiger das Flutlicht am Paseo de la Castellana auf „Rojiblanco“ als der Mittelfeldstratege aus der Akademie von Cerro del Espino. Sergio Ramos? 43 Derbys. Geschichte. Längst eingeholt.
Diese Saison schon zweimal standen sich die Rivalen gegenüber: Supercup in Saudi-Arabien, 5-2-Pleite in der Liga. Beide Male mit Nachspielzeit statt Happy End. Heute zählt nur Platz drei, die letzte direkte Champions-League-Tickets. Real jagt Barça (Vorsprung: vier Punkte), Atlético will Villarreal überholen und sich an die Fersen des Stadtrivalen heften.

Endspiel ohne netz: champions-league-traum und copa-kracher warten
Die K.o.-Phase der Königsklasse könnte ein erneutes Finale liefern – wenn beide Teams ihre Viertel- und Halbfinal-Hürden nehmen. Doch wer schon im Mai in Sevilla gegen Real Sociedad den zweiten Pokal seines Lebens holen will, muss heute liefern. Die Champions-League-Trophäe, 2014 und 2016 so nah, dass die Nadelstiche noch immer nachzucken, bleibt das letzte offene Kapitel.
Im Kabinenflur des Metropolitano kursiert ein Gerücht: Koke und Griezmann planen ein gemeinsames Abenteuer in der MLS. Beide 31, beide mit Blick aufs Rentner-Visum. Doch vorher will der Captain noch einmal den Rasen des Bernabéu betreten, wo er einst als Kind mit seinem Vater stand und sich schwor, einmal die Führung zu übernehmen.
Um 21 Uhr ertönt der Champions-League-Pfiff. Dann zählt kein Kontrakt, keine Zukunft, nur der Moment, in dem 70.000 Madrilenen den Atem anhalten. Koke wird den Ball an der Mittellinie empfangen, das Bändchen hochziehen und sich fragen, ob dieses Mal die 45. Ausgabe seiner Derby-Saga auch die letzte ist. Die Antwort liegt im Spiel – und im Herzen eines Mannes, der Atlético nie nur als Arbeit, sondern als Lebenselixier betrachtete.
