Sc magdeburg: taktik-umbruch nach ausrutschern?
Die Stimmung im Lager des SC Magdeburg ist gedämpft. Nach einer seltenen Phase von zwei Niederlagen in Folge stellt sich die Frage: Kann die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert ihre Dominanz in der Handball-Bundesliga und der Champions League halten? Ein dänischer Handball-Experte schlägt Alarm und fordert eine mutige taktische Neuausrichtung.
Die analyse des trainers: ein system, das versagt
Nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus gegen den Bergischen HC sprach Wiegert Klartext. Das bisherige Spielsystem, das auf eine hohe Laufintensität und das Ausspielen von Sechs-gegen-Fünf-Situationen setzte, scheint seine Wirkung zu verlieren. „Normalerweise bekommen wir mit der Art und Weise, wie wir Handball spielen, mehr Progression und können uns im Zweikampf dann auch mal ausruhen“, erklärte der Coach. „Das gelingt uns nicht.“
Das Problem liegt demnach darin, dass die Gegner die Magdeburger Spielweise zunehmend besser durchschauen. Die konstante Belastung über 60 oder sogar 70 Minuten fordert ihren Tribut, und die nötigen Pausen im Zweikampf fallen zu kurz.

Dänischer experte fordert das sieben-gegen-sechs
Bent Nyegaard, Handball-Experte von TV2 Sport, sieht die Lösung in einer taktischen Kehrtwende. Er rät dem SCM, vermehrt auf das Sieben-gegen-Sechs zu setzen – eine Strategie, die Magdeburg bisher eher verpachtet hat. „Die Strategie ist ja quasi, dass sie kein Sieben-gegen-Sechs spielen“, so Nyegaard. Dabei verfüge Magdeburg über Spieler wie Oscar Bergendahl und Magnus Saugstrup, die diese Spielform ebenfalls beherrschen.
„Ich kann mir kaum etwas anderes vorstellen, als dass er seine Strategie ändern muss“, betont Nyegaard. Nicht nur, um die Gegner vor neue Herausforderungen zu stellen, sondern auch, um seinen Spielern neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen. Die Gegner haben Magdeburgs Spielmuster zu gut durchschaut, und ein taktischer Wechsel könnte hier Abhilfe schaffen.
Nyegaard lobte Wiegert zwar für seine grundsätzliche Spielphilosophie, räumte aber ein, dass die aktuelle Situation einen Eingriff in das System erfordert. „Einerseits möchte ich ihn dafür loben, aber da es nun einmal ein Element ist, wundere ich mich, dass eine so talentierte Mannschaft wie der SC Magdeburg das Sieben-gegen-Sechs nicht nutzt.“

Die bundesliga-vorbereitung und die aussichten in der champions league
Obwohl die Niederlagen schmerzen, ist die Lage für den SCM noch alles andere als kritisch. In der Bundesliga führen die Magdeburger mit sieben Punkten Vorsprung die Tabelle an und die Meisterschaft ist bereits in greifbarer Nähe. Zudem wartet in der Champions League mit Pick Szeged ein machbares Viertelfinal-Duell. Der Weg zu einem erneuten Final Four-Turnier in Köln ist somit offen. Die nächsten sechs Bundesliga-Spiele werden zeigen, ob Wiegert auf die Ratschläge des dänischen Experten hört und ob der SCM seine Erfolgsserie wieder ankurbeln kann.
