Saudi-arabien: mehr als nur fußball – geschichten von kampfgeist und spiritualität

Jenseits des Rasens offenbart die Begegnung mit der saudischen Nationalmannschaft ein facettenreiches Bild, das weit über das sportliche Können hinausgeht. Sergio Piernas, spanischer Experte, schildert beeindruckende Geschichten von Überwindung und dem tiefen Glauben, der die Spieler antreibt – eine Perspektive, die im internationalen Fußball oft übersehen wird.

Die rückkehr des unmöglichen: tambaktis geschichte

Ein besonders bewegendes Beispiel ist die Geschichte des Innenverteidigers Tambakti. Vor etwa fünf bis sechs Jahren erlitt er eine schwere Rückenverletzung, die von den Ärzten als potenziell karrierebedrohend eingeschätzt wurde. Doch Tambakti kehrte nicht nur zurück, sondern markierte im WM-Spiel gegen Argentinien den legendären Lionel Messi – ein Beweis für seinen unbändigen Willen und seine Entschlossenheit.

Auch Saleh Al-Shehri, bekannt für sein Tor im historischen Sieg über Argentinien, verkörpert diese spirituelle Stärke. „Nur sieben Monate vor der WM haben wir beide uns den Achillessehnenriss zugezogen“, berichtet Piernas. „Ich war verzweifelt, aber Saleh wandte sich sofort Gott zu, betete um Hilfe und fand die Kraft, sich zurückzukämpfen.“

Abu Al-Shamat, der auf dem rechten Flügel gegen Uruguay spielte, erlebte ebenfalls eine bemerkenswerte Geschichte. Sein einäugiger Zwilling, der ebenfalls Fußball spielte, verpasste die Nominierung knapp. Obwohl sie als Kinder getrennt wurden und nun unterschiedliche Wege im Leben gingen, ist ihre Verbindung unauflöslich.

Piernas zieht Parallelen zum europäischen Fußball: „Kanno ist unser Yaya Touré – ein fröhlicher, lebenslustiger Spieler, der stets für positive Stimmung sorgt, aber im Mittelfeld eine Führungsrolle einnimmt.“ Er sieht in Musab Al-Juwayr ein Talent, das an eine Mischung aus Frenkie de Jong und Koke erinnert: „Er kann spielen, passen, Tore vorbereiten, das Spiel initiieren und beenden. Ein kompletter Spieler.“

Besonders beeindruckt ist Piernas von Feras, einem „ruhigen, aber äußerst effektiven Stürmer, der mich an Hugo Duro erinnert: Er arbeitet hart und ist im Strafraum blitzsauber.“

Europäische erfahrung und saudische mentalität

Europäische erfahrung und saudische mentalität

Einige Spieler haben bereits in Europa Erfahrungen gesammelt. Salem Al-Dawsari, der Kapitän und Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft, spielte einst für Villarreal und zeichnet sich nun bei Al-Hilal aus. Saud Abdulhamid, der „Juwel“ des Teams, brillierte bei der Roma und Lens, wo er in der letzten Saison die Coupe de France gewann – ein Beweis für das Potenzial saudischer Spieler auf internationaler Ebene. „Er ist die Freude des Teams, ein fantastischer Junge mit einer besonderen Ausstrahlung, der stets zum Lachen bringt“, schwärmt Piernas.

Auch Torwart Al Owais, der in der zweiten Liga spielt, verdient Beachtung. Trotz seiner Verpflichtung bei Al-Ula, die staatlich gefördert wird, ist er nach einer überraschenden Rückkehr in die Nationalmannschaft und einer herausragenden Leistung zum unverzichtbaren Stammkeeper geworden.

Zwei Spieler aus dem Kader, Al-Amri und Al-Khaibari, gewannen gemeinsam mit Cristiano Ronaldo die Liga bei Al-Nassr. Al-Amri wird als „der unermüdliche Kämpfer“ beschrieben, der das Funktionieren des Teams über alles stellt und ein hohes Maß an Opferbereitschaft zeigt. Moteb Al-Harbi, ein junges Talent vom Al Hilal, komplettiert das Bild und verkörpert die neue Generation saudischer Fußballer.

Die saudische Nationalmannschaft ist mehr als nur eine Ansammlung von Talenten. Sie ist ein Spiegelbild von Kampfgeist, Spiritualität und dem unerschütterlichen Glauben an die eigene Stärke – eine Lektion, die auch dem europäischen Fußball viel zu bieten hat. Die Welt hat in Katar gesehen, was möglich ist, wenn man an sich selbst glaubt und die Kraft der Gemeinschaft nutzt. Und das ist eine Botschaft, die über den Fußball hinaus Bedeutung hat.