Sarris lazio steht vor dem abgrund – pokal als letzte rettung

Maurizio Sarri wirft das Handtuch noch nicht, aber er spricht offen vom „Jahr Null“. Drei Siege in zwölf Wochen, leere Ränge im Olympico, ein Team ohne Tempo und ein Präsident, den die eigenen Anhänger öffentlich verhöhnen – die Lazio vor dem Pokal-Halbfinale gegen Atalanta ist ein Klub, der sich selbst neu erfinden muss, sonst droht das Jahr Eins komplett in der Bedeutungslosigkeit.

Formello, 3. März, 15:32 Uhr. Sarri tritt vor die Mikros, die Stimme rau wie nach 90 Minuten Gegenpressing. Er sagt: „Das Ergebnis morgen ändert nichts an unserem Plan.“ Dabei weiß jeder im Saal: Gewinnt Lazio nicht die Coppa Italia, gibt es 2024/25 kein Europa – und ohne Euro-Einnahmen keinen Neustart, sondern einen Abverkauf.

Die rechnung geht nicht auf

Der Trainer redet von Geduld, von Neuanfang, von „ricostruzione“. Doch die Kurve hat die Geduld längst verloren. Nur 3.000 Tickets sind für das Atalanta-Spiel verkauft, die Ultra-Gruppen blockieren bewusst. „Wir akzeptieren ihr Schicksal“, sagt Sarri, „aber uns fehlt die Seele.“ Ein Satz, der wie ein Eigentor klingt, denn ohne Seele funktioniert sein Spielsystem nicht.

Die Zahlen sind gnadenlos: seit Anfang Dezember nur ein Punkt aus fünf Liga-Spielen, zwölf Gegentore in der Phase des Aufbaus, dazu eine Chancenverwertung, die mit 23,4 Prozent Torschuss-Quote unter den letzten fünf Teams der Serie A liegt. Der einzige Lichtblick: Im Pokal schaltete Lazio Milan und Bologna aus – die beiden Finalisten des Vorjahres. Sarri zieht diese Statistik heran wie einen Schutzschild: „Wir haben bewiesen, dass wir in Einzelspielen noch zubeißen können.“

Doch Atalanta ist kein Einzelspiel, sondern ein Tempo-Monster. Gasperinis Mannschaft läuft 114,3 km Schnitt pro Partie – mehr als jeder andere Klub in Europas Top-Fünf-Ligen. Lazio kam zuletzt nur auf 108,7 km. Der Unterschied hört sich nach wenigen Metern an, spiegelt sich aber in jedem Zweikampf wider.

Transferliste statt siegerliste

Transferliste statt siegerliste

Sportdirektor Fabiani bestätigt intern: Sollte der Pokalflop kommen, stehen Verkäufe an. Milinkovic-Savic’ Ablöse war bereits verplant, nun drohen auch Zirkzee- und Rovella-Rückstellungen. Der Etat für Sommer-Invests schrumpft von 45 auf vielleicht 20 Millionen Euro. Sarri weiß: Ohne frisches Kapital wird aus dem Jahr Eins nur ein weiteres Jahr Null.

Zurück bleibt die Frage, ob die Mannschaft morgen noch einmal an sich selbst glaubt. Pedro, Gila und Maldini stehen zur Verfügung, aber keiner von ihnen ist Startelf-sicher. Die Entscheidung fällt erst am Morgen des Spiels – so wie die Entscheidung über die Zukunft der gesamten Lazio.

Sarri schließt das Gespräch mit einem Satz, der wie ein Abschied klingt: „Wir können die Coppa gewinnen, wir können sie verlieren. Aber wir werden nicht untergehen.“ Vielleicht hat er recht. Vielleicht ist aber auch schon jetzt klar: Untergehen und Neuanfang sind manchmal dasselbe.