Sarah felberbaum: wie eine depression zur stärksten sportwaffe wurde

Sie stand am Abgrund, zog sich zurück und kehrte zurück – nicht als perfekte Fitness-Ikone, sondern als 46-jährige Frau, die ihre Brüche auskostet. Sarah Felberbaum feiert heute Geburtstag und liefert nebenbei ein Lehrstück über Selbstoptimierung jenseits von Instagram-Filter und Kalorienzähl-Apps.

Das schweigen danach

Nach der Diagnose Depression vor drei Jahren verschwand sie aus den Klatschspalten. Keine Talkshow, kein roter Teppich, nur Therapie und das Gefühl, „sich selbst fremd zu sein“, wie sie dem Corriere della Sera verriet. Das war der Moment, in dem sie aufhörte, sich für schwach zu schämen. Stattdessen begann sie, ihre Schwäche als Trainingspartnerin zu nutzen.

Padel vor Frühstück, Pilates vor dem Nachtessen – keine fixen Pläne, nur ein Deal: 20 Minuten Bewegung, egal wann, egal wo. Das Resultat: kein Sixpack, sondern ein Körper, der wieder Signale sendet und empfängt. „Ich esse Pizza ohne Reue und Schokolade ohne Selbsthass“, sagt sie und lacht über die Frage, ob sie denn nun wieder „in Form“ sei. „Ich bin in meiner Form – das reicht.“

Die zahlen, die sie nicht mehr zählt

Die zahlen, die sie nicht mehr zählt

Kalorien hat sie abgeschafft, nicht die Waage. Sie trainiert nach der 70-20-10-Regel: 70 % Spaziergang und Alltagsbewegung, 20 % Kraft, 10 % Spiel – eben Padel mit Freunden, bei denen der Score Nebensache ist. Ihr Coach spricht von „reverse periodization“: zuerst das Gemüt, dann die Muskulatur. Seitdem ist ihr Ruhepuls von 88 auf 54 gesunken, das Cortisol im Blut um 38 %. Die einzige App, die sie noch öffnet, misst Schlafqualität, nicht Schritte.

Und De Rossi? Der Ex-Roma-Kapitän, ihr Mann, nimmt sie auf dem Court auf den Arm, wenn sie mit Tiger-Maske aufläuft. „Er sagt, ich sei die einzige, die vor dem Match erst mal die Seiten wechselt, um die Sonne zu vermeiden. Das ist meine neue Perfektion: Schatten suchen, statt zu glühen.“

46 Jahre, keine Filter, keine Angst. Sarah Felberbaum beweist, dass Sport nicht nur Körper formt, sondern Seelen repariert. Wer jetzt noch nach der perfekten Trainingsroutine sucht, verpasst den Punkt: Sie ist längst die bessere Version – weil sie endlich die echte ist.