Rydzek feiert abschied mit achter-platz und tränen in oslo

Ein Schlusspunkt mit Tränen, nicht mit Edelmetall: Johannes Rydzek verabschiedet sich als Achter vom Weltcup-Gletscher. 336 Rennen, 72 Podeste – das 73. blieb ihm im letzten Ritt auf norwegischem Schnee versagt.

Rydzek jagt podest, lamparter dominiert holmenkollen

Der Wind peitschte über die Schanze, die Zuschauer brüllten sich heiser – und Rydzek presste sich die Skispitzen in die Loipe, als gäbe es kein Morgen. Nach 14. Platz im Springen lag er 1:30 Minuten zurück, startete als Außenseiter, kämpfte sich aber auf Position acht vor. Dreißig Sekunden fehlten am Ende zum Podium, ein Abstand, der ihm die Kehle zuschnürte.

„Ich wollte noch einmal alles raushauen“, sagte er mit zitternder Stimme. Seine Schwester Coletta schwenkte eine handbemalte Fahne: „Danke Rydzi“. Die Tränen kamen prompt. Vor ihm lief nur noch Johannes Lamparter davon, der Österreicher krönte sich mit dem 23. Weltcupsieg zum Gesamtsieger. Dahinter die Brüder Jens Luraas und Einar Luraas – Norwegen feierte, Deutschland trauerte.

Abschied mit königs-gag und ehrenrunde

Abschied mit königs-gag und ehrenrunde

100 Meter vor dem Ziel schickte der norwegische König die drei Karriere-Aussteiger auf eine Extra-Runde. Akito Watabe aus Japan, Alessandro Pittin aus Italien und Rydzek. Ihre Familien warteten im Ziel, die Kollegen klatschten, die Skisäcke standen schon gepackt bereit. Kein Medaillenregen, aber eine Standing-Ovation.

Bei den Frauen verpasste Nathalie Armbruster als Fünfte knapp das Podest. Ida Marie Hagen gewann ihren 11. Saisonlauf – und machte damit klar, wer künftig die Loipe beherrscht, wenn Rydzek nicht mehr dabei ist.

Die Nordische Kombination verliert mit Rydzek nicht nur einen Athleten, sondern eine Marke. 72 Podeste, vier WM-Titel, eine olympische Gold-Sammlung – Zahlen, die für sich sprechen. Die 30 Sekunden von Oslo? Nur ein Fußnote. Die Tränen von heute trocknen, die Legende bleibt.