Ulreich fällt: bayern stellt 16-jährige notlösung gegen atalanta auf
Sven Ulreich schaffte in Leverkusen das Unmögliche – und verabschiedete sich mit einem Muskelbündelriss. Jetzt fehlt beim FC Bayern der drittletzte Torhüter, bevor ein Teenager die Champions-League-Bühne betritt.
Die zahlen sprechen für sich: vier keeper aus, zwei jungs da
Manuel Neuer (Fersenknochen), Jonas Urbig (Gehirnerschütterung), Leon Klanac (Oberschenkel) – die Reihe der verletzten Schlussmänner liest sich wie ein Verletzungsreport aus einem Krankenhausdrama. Dazu gesellt sich nun Ulreich, dessen Adduktoren beim 1:1 in der BayArena nachließen. Die Konsequenz: Trainer Vincent Kompany muss für das Rückspiel gegen Atalanta Bergamo am Mittwoch (21.00 Uhr) auf Notpersonal zurückgreifen.
Die Notlösung heißt Jannis Bärtl. Der 19-Jährige stand bisher in der Regionalliga zwischen den Pfosten, kassierte dort 17 Gegentore in 13 Spielen. Seine Alternative: Leonard Prescott, erst 16 Jahre alt, bisher nur für die U19 nominiert. Die UEFA erlaubt B-Listen-Wechsel bis 24 Stunden vor Anpfiff – theoretisch könnte Bayern noch einen erfahrenen Keeper aus dem Amateurbereich hochziehen, doch intern heißt es: „Wir vertrauen unserer Jugend.“

Die taktische frage: risiko mit der raute oder sicherheit mit der bank?
Kompany spielte in Leverkusen mit drei Mann hinten, um die Flügel zu überladen und Ulreich zu entlasten. Ohne erfahrenen Schlussmann wird die taktische Flexibilität zum Glücksspiel. Die Statistik gibt Rätsel auf: In den vergangenen fünf Jahren verlor Bayern nur zwei Heimspiele in der K.-o.-Phase der Champions League – beide Male, als der Stammtorhüter fehlte. Die Psyche der jungen Hüter ist damit zum Matchfaktor geworden.
Die Fans reagieren mit schwarzem Humor: „Wir haben Lewandowski ersetzt, wir schaffen auch einen Keeper.“ Die Realität ist härter. Prescott ist noch in der Schule, Bärtl jobbt neben dem Training als Co-Trainer der U15. Gegen Atalantas Zapata und Lookman, die in dieser Saison bereits 38 Tore erzielten, wirken sie wie Löwenfutter.

Die chronologie eines debakel
13. Februar: Neuer bricht sich das Fersenbein im Skiurlaub. 27. Februar: Urbig kollidiert mit Kossounou, fällt für drei Wochen aus. 8. März: Klanac zieht sich im Training einen Muskelfaserriss zu. 15. März: Ulreich rett gegen Leverkusen einen Punkt – und muss mit der Kutsche vom Platz. Die Verletzungswelle deckt eine strukturelle Lücke auf: Bayern verzichtete 2025 auf einen erfahrenen Ersatzmann, weil der Kaderplatz für ein Offensivtalent frei werden sollte.
Die Rechnung kommt jetzt auf: Entweder das Team schafft gegen Atalanta den vorläufig größten Coup der jüngeren Vereinsgeschichte – oder der Klub muss im Sommer umdenken und wieder einen erfahrenen Keeper verpflichten, der bereit ist, auf der Ersatzbank zu versauern. Die Entscheidung fällt am Mittwoch in der Allianz Arena, wo ein Teenager die Nacht seines Leben erleben könnte – oder die längste seiner Karriere.
