Runjaic zieht bilanz: 2:2 in bergamo – kein gram selbstvorwurf

Kosta Runjaic trat nach dem Schlusspfiff mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der gerade einen Banküberfall vereitelte – und trotzdem noch einen Kaffee bestellt. 2:2 beim Tabellenzweiten Atalanta, nach 0:2-Rückstand, mit einem Debütanten hinten, der vor drei Wochen noch Kreisliga spielte. Kein Rücktritt, kein Rätselraten, nur Sachlichkeit.

„Wir haben die bestie gezähmt“

Der Kroate schob die Brille nach oben, atmete durch. „Kein Rammarico“, sagte er auf Italienisch, „kein Bedauern. Atalanta hat hier in dieser Saison schon Bayern und Real zerlegt. Wir kommen mit einem 19-Jährigen Innenverteidiger und nehmen einen Punkt mit.“ Gemeint ist Fran Mlacic, am Freitag noch für die Primavera im Einsatz, jetzt 90 Minuten gegen Lookman und Miranchuk. „Er hat die Zweikampfquote gewonnen wie ein Veteran“, so Runjaic, „das ist keine Talentshow, das ist Charakter.“

Die Zahlen sprechen für sich: 28 Torschüsse für Atalanta, nur neun für Udinese – und trotzdem die größte Chance der Partie in der 93. Minute: Pereira steht frei, schießt an Sportiello vorbei, Ciciretti klärt auf der Linie. „Wenn der reinmacht, stehe ich hier als Sieger“, sagt Runjaic, „aber selbst das 2:2 ist kein Geschenk, sondern Lohn für eine Mannschaft, die nie aufhört zu glauben.“

Taktik im fieberzustand

Taktik im fieberzustand

Runjaic stellte um zur 3-4-1-2-Defensive, ließ Success und Deulofeu als Doppelspitze starten, zog Pereira auf die Zehn. „Wir wollten Atalantas Halbräume blockieren, nicht deren Flügel. Wenn du gegen Gasperini spielst, darfst du nicht mitlaufen, du musst ihn brechen.“ Das 1:2 fiel nach einem Konter, den Udinese selbst initiiert hatte – eine Szene, die der Trainer im Videoanalyseraum schon drei Mal durchgespielt hat. „Ein Fehler, ja. Aber ohne Fehler kein Fortschritt.“

Die Pressekonferenz dauerte nur neun Minuten. Runjaic wollte nicht über Europa reden, nicht über die Abstiegszone. „Wir haben 14 Monate gearbeitet, drei Atalanta-Versionen gesehen – Gasperini hat seine Automatismen, wir haben unsere Antworten gefunden.“ Dann verschwand er durch den Seitenausgang, Richtung Kabine, wo die Spieler bereits mit den Fans sangen. Ein Punkt, der wie drei zählt.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Wer Udinese auf der Liste der Abstiegskandidaten stehen hat, muss seine Listen neu drucken. Runjaic hat seine Mannschaft gerade wieder in den Ring geschickt – und sie kommt nicht mehr als Aufbaugegner zurück.