Reggiani schlägt zu, dortmund schlägt zu: profivertrag nach traumtor

Luca Reggiani traf am Samstag gegen Augsburg, am Freitag unterschrieb er seinen ersten BVB-Vertrag. Die Kurve ist steil, der Junge erst 18, der Vertrag „langfristig“ – mehr wollte der Klub nicht sagen. Doch die Rechnung ist einfach: Ein Tor, ein Deal, ein Traum in Schwarz-Gelb.

Warum der italiener plötzlich in jedem gespräch ist

Seit 18 Monaten arbeitet der Mittelfeldspieler in Dortmund an sich selbst. Er kam als Rohdiamant aus Sassuolo, sprach kein Wort Deutsch, hatte aber einen ersten Schritt schon mal gemacht: Er wollte nicht bei irgendeinem Klub, sondern genau hier spielen. Signal Iduna Park war für ihn Kindheitstraum, Netflix und YouTube lieferten die Bilder, der Vater die Geschichten vom europäischen Fußball.

Die Entscheider schauten sich die Videos an, sahen einen linken Fuß wie ein Korkenzieher und einen Sprint, der an Giovanni Reyna erinnert. Lars Ricken nahm ihn mit auf die Campus-Terrasse, zeigte die Trainingsplätze, die Performance-Labors, die 3-D-Kräfteplatten. Reggiani nickte nur. „Er wusste, was er wollte“, sagt Ricken heute. „Und wir wussten, dass er es schafft.“

Champions-league-debüt, bundesliga-tor – alles innerhalb von 36 tagen

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7. Februar: Einwechslung gegen Werder Bremen, 13 Minuten. 11. Februar: Kurzer Auftritt bei Sporting Lissabon, 8 Ballkontakte, 2 erfolgreiche Dribblings. 15. März: 71. Minute gegen Augsburg, 18-Meter-Schlenzer, 2:0, Endstand. Drei Stationen, drei Prüfungen, drei Mal bestanden. Die Zahlen sind klein, die Bedeutung riesig.

Sebastian Kehl spricht von „ganz speziellen Anlagen“, von Spielintelligenz, von dem Moment, in dem Reggiani die Lücke vor dem Strafraum erkannte, bevor sie überhaupt da war. „Das kann man nicht erklären, das sieht man oder sieht es nicht“, sagt er. Und lacht, weil er es eben gesehen hat.

Was der junge mit dem klingenden namen wirklich mitbringt

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Reggiani ist kein Muskelpaket, 1,78 m, 70 Kilo, aber mit einer Beschleunigung, die sich anfühlt wie ein Software-Update. Zweikampfquote in der U19: 56 %, gewonnene Duelle im Mittelfeldzentrum: 112 von 200. Seine Passgenauigkeit liegt bei 87 %, die Torschuss-Vorbereitungen bei 3,2 pro Spiel. Statistiken, klar. Doch die wahre Währung ist anders: Er traut sich das Spielverdichtungs-Pressing zu, das Terzic sich wünscht, und er traut sich die Halbraum-Diagonalen, die Reyna verletzungsbedingt ausfällt.

Im Trainingslager in Marbella schoss er aus 25 Metern in den Winkel, dass Gregor Kobel nur den Kopf schüttelte. „Wenn er so weitermacht, reden wir in einem Jahr über einen Stammplatz“, sagt der Torhüter. Keine Floskel, sondern Feststellung.

Der nächste schritt ist kein schritt mehr, sondern ein sprung

Der nächste schritt ist kein schritt mehr, sondern ein sprung

Der Vertrag sichert ihm Gehalt, Status, Planbarkeit. Doch er sichert dem BVB etwas anderes: die italienische Fußball-DNA, die in Dortmund seit den Tagen von Matthias Sammer und Stefano Reuter schwelte. Reggiani spricht mittlerweile deutsch mit leichtem Mailänder Zungenschlag, erzählt von Pirlo-Videos, von De Bruyne-Analysen, von dem Tag, an dem er sich selbst in einem YouTube-Clip entdeckte – und wegwarf, weil er zu langsam wirkte.

Am Samstag steht Union Berlin an. Keine Garantie für Minuten, aber eine Garantie für eine Option. Terzic hat sich mit Ricken und Kehl abgesprochen: Wer trifft, bleibt. Wer bleibt, trifft. Reggiani lacht darüber, aber er trainiert schon wieder 30 Minuten länger. „Ich will mehr“, sagt er. „Und zwar sofort.“

Die Kurve bleibt steil. Doch wer einmal im Leben von der Südtribüne geschossen hat, weiß: Es gibt kein Zurück. Nur Tempo. Und Tempo hat der Junge, das haben alle gesehen.