Reese raus – hertha muss erstmal ohne ihren anführer leben

Das Olympiastadion wird am Samstagabend einen Stammplatz unbesetzt sehen: Fabian Reese, sieben Tore, elf Assists, 146 Flanken, 539 Sprints – und erstmals in dieser Zweitliga-Saison nicht dabei. Gelb-Sperre. Hertha BSC muss gegen den VfL Bochum beweisen, dass sie nicht nur mit, sondern auch ohne ihr Gesicht gewinnen kann.

Die frage ist nicht, ob hertha kann – sondern wie

Trainer Stefan Leitl hat die Antwort schon vor dem Anpfiff parat: Marten Winkler rückt in die Startelf. Der Flügelflitzer, der in Münster in der Nachspielzeit den Siegtreffer schoss, wäre beinahe auch selbst gesperrt gewesen. Er zog sich beim Jubel das Trikot nicht über den Kopf – und rettete sich so in die erste Elf. Ironie des Fußballs: Der eine trifft und fehlt, der andere fehlt und trifft.

Die Zahlen lügen nicht: Reese war die Konstante in einer Saison voller Brüche. Doch die Berliner haben gelernt, ohne ihn zu variieren. Im Januar gegen Schalke – Reese nur 15 Minuten auf dem Platz – lieferte Hertha ihr bestes Spiel ab. 0:0, aber mit Tempo, Druck und Ideen. Die Offensive wirkt seitdem weniger vorhersehbar, weil Josip Brekalo mit seinem Antritt und seiner Unberechenbarkeit eine zweite Speerspitze bildet.

Der kapitän schaut zu – und die mannschaft schaut nach vorn

Der kapitän schaut zu – und die mannschaft schaut nach vorn

„Es tut mir im Herzen weg“, sagte Reese im Sky-Podcast. Doch der Schmerz hat zwei Seiten: Hertha kann endlich zeigen, dass der Aufstieg nicht an einem einzigen Spielerkopf hängt. Die 2:3-Hinspielniederlage in Bochum brennt noch nach. Revanche liegt in der Luft. Paul Seguin will „eine Serie starten“, drei Siege nacheinander wären ein Statement – mit oder ohne Reese.

Die Wahrheit: Hertha ist nicht mehr die Mannschaft, die nur über Flanken und Reeses Laufwege lebt. Die Berliner haben sich ent-Reesed, ohne ihn zu verlieren. Das ist der eigentliche Fortschritt. Wenn sie das auch gegen Bochum unter Beweis stellen, wird der Kapitän auf der Tribüne zwar mitwippen – aber auch mitlachen.