Räuber zielen auf visma-lease a bike – zweiter diebstahl in sechs monaten

Sie kamen in der Nacht, schlugen die Seitentür des Teamtrucks ein und wollten die teuersten Räder des Pelotons klauen. Die vierte Etappe der Settimana Internazionale Coppi e Bartali endete für Visma | Lease a Bike mit einem Imageschaden, der schwerer wiegt als jede Niederlage.

Plugge reagiert mit wut statt warnung

„Das ist kein Spaß mehr, das ist Gewalt gegen unseren Sport“, sagt Teammanager Richard Plugge, als wir ihn in Ferrara erreichen. Er spricht schneller als sonst, das Handy knarzt in seiner Hand. „Unsere Leute mussten mit den Dieben handgreiflich werden. Zum Glück nichts weg, aber die Jungs sind durchgeschüttelt.“ Die Polizei konnte die Täter vorläufig festnehmen, die Bikes blieen unversehrt. Dennoch: Der Vorfall folgt einer erschreckenden Serie.

Erinnert sich noch jemand an die Vuelta a España? 18 Cervélo-Modelle, 250 000 Euro Schaden, Spurlos. Damals war es ein organisierter Coup, diesmal eher improvisiert. Doch die Message ist dieselbe: Profi-Räder sind flüssiges Gold, und die Sicherheitskonzepte der Rennen sind aus dem letzten Jahrtausend.

Plugge zieht die Bilanz: Seit August 2024 hat sein Team 28 Hochleistungsräder verloren – mehr als jedes andere WorldTour-Team in diesem Zeitraum. Die Versicherung zahlt, aber das Vertrauen bleibt auf der Strecke. „Wir bringen Youngster an ihre Grenzen, und dann müssen wir nachts Wache schieben, damit niemand die Karbonwaffen klaut. Das ist pervers“, sagt er.

Cofidis, uae, sd worx – niemand ist sicher

Cofidis, uae, sd worx – niemand ist sicher

Die Liste der Opfer liest sich wie ein Who-is-Who des Radsports. Cofidis verlor beim Tour-Auftakt 2025 elf Bike-Setups im Wert von 140 000 Euro. Beim Baloise Ladies Tour räumten Unbekannte den kompletten Frauen-Truck leer. Selbst UAE Team Emirates musste nach der Deutschland-Tour zwei Zeitfahrräder abmelden – weg, ohne Spur.

Die Täter kennen die Abläufe: Sie schlagen zu, wenn das Service-Personal in den Hotels Essen holt, oder wenn die Trucks auf den letzten Metern vor dem Parkpluck noch einmal stehen bleiben. Zehn Minuten reichen. Ein Bike wiegt sieben Kilo, bringt aber auf dem Schwarzmarkt fünfstellige Summen. Kein Wunder, dass die Polizei in Belgien und Italien von einer „professionalen Diebesbande“ spricht, die sich auf Rennen spezialisiert hat.

Die UCI reagiert mit Papier: Sicherheitsrichtlinien, Checklisten, Empfehlungen. In der Praxis heißt das: Jeder Veranstalter bastelt sein eigenes Konzept. Mancher stellt Nachtwächter vor die Trucks, andere verzichtet aus Kostengründen. Die Teams? Sie rechnen mittlerweile Diebstahl ins Budget ein – so wie man früher Ersatzkleidung für Regentage dabei hatte.

Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt