Ulbricht räumt ab: kristallkugel nach zentimeter-krimi

Leon Ulbricht hat die große Kristallkugel im Snowboardcross gewonnen – und das mit einem Satz, der noch lange nachhallen wird: „Zwei Zentimeter reichen, wenn sie zur richtigen Zeit kommen.“ Das Saisonfinale in Mont Sainte-Anne wurde zur Schicksalsfahrt, in der der 21-jährige SC-Rötteln-Fahrer erst im Foto-Finish des Halbfinals die Kugel vor dem Absturz rettete und im Finale mit Rang zwei endgültig den Pokal sicherte.

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Der Heat war so eng, dass selbst die Kameras erst nach Sekundenbruchteilen ein Urteil fällen konnten. Adam Lambert, der australische Dauersprint, lag vor dem letzten Sprung eine Nasenlänge vor Ulbricht. Dann flog Ulbrichts Board-Spitze über die Ziellinie – genau 2,1 Zentimeter vor Colby Graham. Ausgeschieden wäre die Kugel, weiter der Traum. „Ich hab nur noch geballert“, sagt er später, „mehr war nicht drin.“

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Mit dem Gewinn tritt Ulbricht in die Fußstapfen von Martin Nörl, der nach zwei Gesamtsiegen in Folge verletzungsbedingt diesmal nur zuschaute. Die deutsche Snowboard-Cross-Dynastie bleibt damit in Baden-Württemberg verwurzelt – nur eben mit neuer Gesicht. Teamchef Ralf Rößler: „Wir haben den Generationswechsel nicht geplant, er ist einfach passiert – und er ist perfekt.“

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Adam Lambert, der im Finale ebenfalls Zweiter wurde, sprang als Erster vom Board und drückte Ulbricht die Kugel regelrecht in die Hand. „Ich hab alles gegeben, aber Leon war heute der Bessere. Punkt.“ Die 22 Punkte Vorsprung am Ende klingen nach viel – sind aber eine Ewigkeit in einem Weltcup, der oft erst im letzten Heat entschieden wird.

Die Saison ist vorbei, die nächste beginnt morgen mental. Ulbricht fliegt mit der Kugel als Handgepäck zurück nach Frankfurt. Seine erste Station: die Skihalle in Köln, wo er nächste Woche schon wieder mit Jugendfahrern das Duell trainiert, das ihn zum Champion machte. Zweimal Foto-Finish, einmal Kugel – mehr Drama geht nur im Kino, nicht auf der Piste.