Räder-diebe attackieren visma-auto mitten im rennen – coppi e bartali wird zur schreckensetappe
Zwei Sekunden. So lange brauchte der Mann auf dem Dach, um zu begreifen: Das Visma-Lease a Bike-Fahrzeug ist kein stillstehender Lkw, sondern rollt im Kolonnenverkehr der 4. Etappe der Settimana Coppi e Bartali. Dennoch klettert sein Komplize nebenher, zieht an einem Aero-Rad, das auf dem Dachträger gespannt ist. Die Scheibe des Beifahrers bebt unter Faustschlägen. Gaetan Pons, belgischer Fahrer und Winter-Neuzugang, tritt unvermittelt das Bremspedal – und rettet so mehrere tausend Euro Carbon-Material, aber auch die Nerven seiner Stammcrew.
Die organisierten räder-jäger haben das peloton eingeholt
Der Vorfall passierte am Samstag auf der 159 km-Strecke zwischen Ponte di Piave und Valdobbiadene, kurz nach dem Zielsprint, den Axel Laurance (Ineos Grenadiers) für sich entschied. Doch während die Kameras den Sieger einfingen, kursierte auf Instagram schon ein anderes Video – und das ging viral. Darin: zwei Männer im Kapuzenpulli, ein weißer Transporter, der parallel fährt, und das Visma-Teamauto, plötzlich Ziel krimineller Energie.
Richard Plugge, Teammanager der Niederländer, bestätigt gegenüber „Wielerflits“ den Angriff: „Unsere Leute sind sofort zur Polizei und zur Rennleitung. Die Täter konnten flüchten, aber wir haben Fotos und Nummernschilder weitergeleitet.“ Sachschaden: null. Psycho-Score: hoch. „Die Crew ist unverletzt, aber erschüttert“, so Plugge. Denn wer klaut schon Rennmaschinen, während der Sport auf Hochtouren läuft und Zuschauer an jeder Ecke stehen?

Sicherheitslücken auf italienischen kleinrennen
Die Settimana gilt als Frühjahrslehrgang für Weltklassefahrer; Anton Schiffer aus dem Visma-Nachwuchs sicherte sich vor der Sonntagsetappe Rang 17 im Gesamtklassement. Doch die Attacke wirft ein Schlaglicht auf Sicherheitsstandards, die offenbar nur für die Straße, nicht aber für die Begleitfahrzeuge gelten. In der WorldTour sind Teamwagen mit GPS-Live追踪 und Alarmanlagen ausgestattet – bei UCI 2.1-Rennen wie in Italien bleibt viel der Lokalpolizei überlassen.
Experten sprechen von einer neuen Dimension. Bisher plagten nachträgliche Diebstähle aus Hotelparkplätzen oder Depots die Teams. Jetzt wird der Gegner zum Rennen mitgeschickt. „Das ist kein Einzeltäter mehr, das ist organisiert“, sagt ein Sicherheitsbeauftragter, der anonym bleiben will. Die Folge: Teams stocken ihre Begleitfahrzeuge mit Dashcams auf, diskutieren über abnehmbare Dachträger und fordern einheitliche Sicherheitsprotokolle von der UCI.
Am Ende blieb alles beim Alten – außer der Gewissheit. Die Profis wissen nun: Selbst im 50 km/h-Tross kann ihnen jemand aufs Dach springen. Die Frage ist nur, wie lange es dauert, bis die nächsten Räder nicht mehr nur virtuell, sondern physisch aus dem Peloton verschwinden.
