Qatar-wm: ehemaliger pressesprecher packt aus – und schildert seinen albtraum im gefängnis
Während Leo Messi in Lusail den WM-Pokal in den Himmel reckte, saß Abdullah Ibhais in einer Zelle und erlebte seinen „schwierigsten Moment im Gefängnis“, wie er in einem Interview mit ‚El País‘ berichtet. Ein Moment, der das perfekte Bild des Gastgeberlandes trübt und Fragen nach Gerechtigkeit und Verantwortung aufwirft. Für Ibhais war es das Ende einer Karriere und der Beginn einer kafkaesken Odyssee.
Der preis für ehrlichkeit: eine unbequeme wahrheit
Ibhais, einst Pressesprecher des Organisationskomitees der WM in Katar, trat 2019 zurück, als ihm die Aufforderung kam, eine Huelga von Bauarbeitern zu leugnen, die unter miserablen Bedingungen und ohne Bezahlung schufteten. Er hatte die Zustände selbst mit eigenen Augen gesehen, die Berichte bestätigt und sich geweigert, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. „Sie wollten Lügen erzählen, und das war für mich unerträglich“, so Ibhais.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nur zwei Monate später wurde er von Sicherheitsbeamten des Staates verhaftet, ohne Anwalt und unter direkten Drohungen. Ihm wurde ein vorgefertigtes Schuldeingeständnis vorgelegt, verbunden mit der Androhung einer lebenslangen Haftstrafe oder der Hinrichtung. Ein Schritt, den er widerwillig vollzog, um sein Leben zu retten. Die Anschuldigungen – Bestechung und Betrug bei einer Ausschreibung – waren haltlos, wie ein sudanesisches Gericht erkannte und ihn gegen Kaution freiließ. Doch die Entscheidung kam per Post: fünf Jahre Haft.
Seine Berufung und sein Hilferuf an die FIFA blieben ungehört. Die Antwort der FIFA war desillusionierend: „Jeder verdient ein faires Verfahren.“ – und dann Stille. Jeder Versuch, seine Geschichte in internationalen Medien zu erzählen, endete mit erneuter Verhaftung. Die zweite Inhaftierung sollte endgültig werden: über drei Jahre im nationalen Gefängnis Al Rayyan.

Ein spiel der stille und verschwörung
„Es gab mehr als 30 Menschen in einem Raum, die übereinander schliefen“, schildert Ibhais die Bedingungen in der Haft. Ein Hungerstreik wurde mit der kalten Warnung beantwortet, sein Leben sei bedeutungslos. Erst im März 2025, nach drei Jahren und vier Monaten, wurde er entlassen. Nun kämpft er aus Jordanienheraus um die Wiederaufnahme seines Falles und beschuldigt die FIFA der Komplizenschaft – „durch Unterlassung, durch Schweigen und durch den Schutz der katarischen Erzählung.“
Ibhais hat der FIFA Briefe geschickt, sucht rechtliche Unterstützung in der Schweiz und weigert sich, aufzugeben. „Ich weiß, dass ich nur ein Sandkorn in der Wüste bin, aber ich werde nicht aufhören, bis diejenigen, die für das verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden.“ Seine Geschichte ist ein erschütterndes Beispiel dafür, wie der Glanz einer Weltmeisterschaft die dunklen Schatten hinter den Kulissen verdecken kann – und wie ein Mann für die Wahrheit bezahlen musste.
