Prosieben maxx zeigt erstes dhb-spiel – frauen starten tv-revolution

Am Sonntag um 15.30 Uhr schlägt der deutsche Handball zweimal ein neues Kapitel auf: In Heidelberg empfangen die DHB-Frauen Slowenien – und ProSieben Maxx überträgt erstmals live. Ein Sieg würge die EM-Qualification schon vorzeitig, doch der Verband feiert vor allem den Start eines Sechsjahresdeals, der bis 2031 die Männer- und Frauen-Nationalteams auf Sendung hält.

Mark Schober, Chef des Deutschen Handball Bundes, nennt es „ein starkes Zeichen“, dass die neue TV-Ära mit dem Frauen-Team beginnt. Tatsächlich ist das ein bewusstes Statement nach der Silber-Medaille der Heim-WM. Die Reichweite verspricht der Mediengruppe ProSiebenSat.1, die bereits alle Weltmeisterschaften bis 2027 gesichert hat – inklusive der Männer-WM im eigenen Land.

Ard und zdf behalten em-rechte

Wer jetzt befürchtet, das klassische Fernsehen verliere den Sport, kann aufatmen: Die kommenden Europameisterschaften bleiben bei ARD und ZDF. Der DHB sichert sich so ein Doppelpendel aus traditionellem Erbe und jungem Publikum. Schober spricht von „reichweitenstarker Abdeckung“, dahinter steckt aber vor allem ein Plan: Handball soll bei 14- bis 29-Jährigen wieder Gesprächsthema werden.

Die Zahlen sprechen für sich: ProSieben Maxx erreicht laut AGF täglich rund 1,2 Millionen Zuschauer, 70 Prozent davon männlich, 60 Prozent unter 50. Für den Verband ein Schatz, der zuletzt durch Streaming-Inseln verloren ging. Jetzt kehrt der Handball ins Free-TV zurück – und bringt Prominenz mit.

Andrea kaiser wird das gesicht, lucie-marie kretzschmar liefert fachkompetenz

Andrea kaiser wird das gesicht, lucie-marie kretzschmar liefert fachkompetenz

Moderieren wird Andrea Kaiser, bekannt von früheren Sky-Sendeplätzen. An ihrer Seite: Lucie-Marie Kretzschmar, Europameisterin von 2014, als Expertin am Sonntag. ProSiebenSat.1-Sportchef Gernot Bauer kündigt Rotation an: „Wir werden diese Position mit vielen Gästen besetzen.“ Das klingt nach Experiment, ist aber Kalkül. Die WM 2027 rückt näher, je mehr Gesichter sich ins Gedächtnis brennen, desto größer der Hype.

Für die Spielerinnen ist das mehr als nur ein weiteres Länderspiel. Seit der WM haben sie 20 000 neue Instagram-Follower dazugewonnen, der TikTok-Kanal des DHB wuchs um 34 Prozent. Die Athleten wissen: Sichtbarkeit wird zur Macht – und zum Sponsoren-Magneten. Ein Sieg gegen Slowenien würde nicht nur die EM-Ticket sichern, sondern auch die Quote nach oben schrauben.

Die Konstellation ist glänzend: Heidelberg ist ausverkauft, 5 200 Fans werden laut Verband erwartet, die Sloweninnen haben zuletzt dreimal in Folge verloren. Die deutsche Mannschaft ist Tabellenführer, hat zwei Punkte Vorsprung. Trainer Markus Gaugisch spricht von „einem perfekten Zeitpunkt“, um den Schlusspunkt zu setzen. Die TV-Bilder werden zeigen, ob seine Analyse aufgeht.

Für den DHB ist der Deal ein Milliardenpoker – nur eben mit Emotion statt Chips. Bis 2031 fließen nach Verbandsangaben „mittlere zweistellige Millionenbeträge“ für die Rechte. Zahlen, die sich rechnen, wenn neue Partner mitziehen. Ein Großsponsor aus der Automobilbranche soll laut Insidern kurz vor dem Einstieg stehen. Die Frauen als Türöffner – das war einst undenkbar.

Der Countdown läuft: Sonntag, 15.30 Uhr, ProSieben Maxx. Für Schober ist klar: „Wir wollen Handball wieder ins Zentrum der Gesellschaft rücken.“ Ob das gelingt, entscheidet sich nicht nur auf dem Feld, sondern auch vor dem Bildschirm. Erste Quote wird Montag verfügbar sein. Ein Wert über eine Million wäre ein Blitzstart – und ein Signal an die Konkurrenz: Handball ist zurück im Mainstream.