Preuß packt aus: so fühlt sich das ende einer karriere

Franziska Preuß, die Biathlon-Legende, hat offiziell den Wintersport hinter sich gelassen. Nach fast zwei Monaten der Ruhe spricht die 32-Jährige nun offen über ihre letzten Monate im Leistungssport und die überraschenden Erkenntnisse, die sie nun gewinnt. Die „Saarbrücker Zeitung“ veröffentlicht exklusive Details.

Die last der perfektion: ein leben im zwangsmodus

Preuß schildert, wie sehr sie die ständige Fokussierung auf den körperlichen Zustand belastet hat. „Man merkt jetzt erst, in welchen Zwängen man teils gelebt hat“, gesteht sie. Als Spitzensportlerin sei das Hören auf den Körper alles gewesen, doch nun, ohne diesen Druck, sei es plötzlich „egal“, wenn man mal schlecht schläft oder müde ist. Eine Erleichterung, die viele Athleten nach dem Karriereende wohl nachempfinden können.

Ihre Karriere, die im November 2013 mit dem ersten Weltcup-Debüt begann, war geprägt von beeindruckenden Erfolgen: zwei olympische Bronzemedaillen, zweimal WM-Gold und der ersehnte Gesamtweltcup-Sieg im Winter 2020/21. Dieser Triumph, so Preuß, berühre sie emotional am stärksten, wenn sie darüber nachdenkt. Ein Beweis für jahrelange harte Arbeit und unzählige Opfer.

Isolation und der wunsch nach normalität

Isolation und der wunsch nach normalität

Die letzten Monate vor ihrem Abschied waren von extremer Isolation geprägt. „Ab Oktober hatte ich mehr oder weniger niemanden mehr getroffen. Man hat sehr in der eigenen Blase gelebt, um ja nicht krank zu werden“, erinnert sich Preuß. Dieser Schutzwall betraf nicht nur sie selbst, sondern ihr gesamtes engste Umfeld. Der Wunsch, aus diesem Kreislauf auszubrechen, war immens.

„Ich freue mich jetzt erst einmal, dass Sport nicht mehr Teil vom Leben ist und ich das echte, normale Leben kennenlerne“, sagt Preuß ehrlich. Ein Satz, der die Sehnsucht nach einer einfacheren Existenz widerspiegelt und einen Kontrast zu dem hochkompetitiven Leben als Leistungssportlerin bildet.

Obwohl sie sich bereits die letzten Jahre mit der Frage beschäftigt hat, „Was könnte mir noch gefallen?“, betonte Preuß, dass es ihr wichtig war, „erst diese Sporttür zu schließen, das Kapitel abzuhaken und dann mit wirklichem Elan in was Neues zu starten“. Eine klare Entscheidung gegen parallele Projekte, die sie in der Vergangenheit vielleicht in Betracht gezogen hatte.

Ihr letztes Rennen, der Massenstart bei Olympia, endete mit einem enttäuschenden 28. Platz (+ 3:32,4 Minuten). Doch dieser Moment trübt nicht das Gesamtbild einer erfolgreichen Karriere. Preuß hat bewiesen, dass sie zu den besten Biathletinnen der Welt gehörte.

Die ehemalige Athletin hat noch keine konkreten Pläne für die Zukunft offenbart. Aber eines ist klar: Franziska Preuß hat sich ihrer Karriere entledigt und blickt nun voller Vorfreude auf das, was kommt. Und das ist mehr wert als jeder Titel.