Pogacar vs. van der poel: die klassiker-schlacht beginnt

Die Frühjahrs-Monumente sind kein Schaulaufen mehr, sie sind ein Duell auf Biegen und Brechen. Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel treffen ab Samstag bei Mailand-Sanremo aufeinander – und keiner will die zweite Geige spielen.

Sanremo: der holländer hat den längeren atem

298 km, zwei Anstiege, eine Abfahrt. Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Die Cipressa und der Poggio sind kurz, aber so explosiv, dass sich das Feld hier jedes Jahr aufreißt. Van der Poel hat hier 2025 gewonnen, weil er im Sprint des kleinen Finales einfach keine Lücke ließ. Pogacar? Der muss angreifen, bevor die Via Roma kommt. Sonst ist er chancenlos.

Die Rechnung ist einfach: Wenn es zur Massensprint kommt, gewinnt van der Poel. Wenn Pogacar auf dem Poggio weg will, muss er zwischen 400 und 600 Meter vor der Kuppe losschlagen – und dann Vollgas geben, bis die Kurve kommt. 2025 hat er es versucht, wurde aber auf der Abfahrt wieder eingeholt. Die Lektion: Selbst ein Pogacar-Solo reicht nicht, wenn der Gegner heißt Mathieu van der Poel.

Flandern: pogacars territorium beginnt hier

Flandern: pogacars territorium beginnt hier

Der Oude Kwaremont ist kein Berg, er ist ein Würgegriff. 2,2 km Kopfsteinpflaster, teils 11 % Steigung, dreimal zu fahren. Hier endet 2025 van der Poels Hoffnung, hier beginnt Pogacars Vorstellung. Der Slowene fuhr 80 km solo bei Strade Bianche – ein Vorgeschmack auf Flandern. Van der Poel mag dreimal gewonnen haben, aber diesmal ist er der Jäger, nicht der Gejagte.

Die Zahlen sprechen für Pogacar: Bei den letzten fünf Bergetappen der Tour de France schnitt er im Steigungsbereich über 8 % durchschnittlich 0,8 W/kg höher als van der Poel. Das ist auf dem Papier ein Vorsprung von 30 Sekunden auf einem Anstieg wie dem Kwaremont. In der Praxis bedeutet das: Wenn Pogacar aufdreht, kann van der Poel nur folgen – nicht antworten.

Roubaix: das kopfsteinpflaster urteilt ungnädig

Roubaix: das kopfsteinpflaster urteilt ungnädig

54,8 km Pavé, 30 Sektoren, ein Wald voller Löcher. Paris-Roubaix ist keine Radrennen, es ist ein Schleifprozess. Van der Poel hat hier drei Mal in Serie gewonnen, ein historisches Triple. Pogacar? Letztes Jahr Sturz, Aus, Ende. Aber er ist zurück – und er hat sich die Strecke vier Mal angesehen. Nicht aus Tourismus, sondern aus Taktik.

Die Schlüsselsektion ist der Carrefour de l’Arbre, 16 km vor dem Ziel. Hier entscheidet sich, wer noch Luft hat. Van der Poel kennt jede Kerbe, jeden Graben. Pogacar muss hier angreifen, bevor der Wald kommt. Die Frage ist nicht, ob er kann – sondern ob er es riskiert. Ein Sturz kostet nicht nur Sekunden, sondern das ganze Rennen.

Die Bilanz nach drei Rennen: Van der Poel führt mit 2:1. Aber Pogacar ist nicht der Typ, der sich mit Silber zufrieden gibt. Er will alle fünf Monumente gewinnen. Und wenn er in Roubaix durchkommt, ist das Quartett komplett. Dann bleibt nur noch Lüttich – und die Krone des vollendeten Klassikerspezialisten.