Pogacar verliert seinen schattenmann: wellens-aus wirft schatten auf die klassiker
Die Klassiker-Saison 2026 steht noch in den Startlöchern, doch Tadej Pogacarmuss bereits einen schweren Schlag verkraften. Tim Wellens, der belgische Arbeitstier und verlängerter Arm des Slowenen auf anspruchsvollem Terrain, brach sich am Sonntag bei Kuurne-Brüssel-Kuurne das Schlüsselbein und fällt für Wochen aus.
Die Diagnose traf ein wie ein Steinschlag auf dem Kopfsteinpflaster: Schlüsselbeinbruch, sofortige Operation, Saison-Aus für die Frühjahrsklassiker. Wellens, 34, schrieb auf Instagram nur vier Worte: „Mein Frühjahr ist vorbei.“ Kein Jammern, keine Emojis – nur nüchterne Erkenntnis.
Wellens war pogacars schutzschild im getümmel
Seit Jahren tuckert der Belgier vor dem Gelb-Schwarzen Tornado her, räumt Windloch um Windloch, lenkt Favoriten-Teams in Sackgassen und schaltet im richtigen Moment den Überholgang. Ohne ihn wirkt Pogacars Plan für Strade Bianche, Mailand-Sanremo, Flandern, Roubaix und Lüttich plötzlich wie ein offenes Buch mit fehlenden Seiten.
Der Sturz in Kuurne war schnell, aber nicht spektakulär – ein leichtes Rutschen auf nassem Asphalt, ein Aufprall, ein Knacken. Am Montag bereits lag Wellens unterm Messer, am Dienstag postete er das Röntgenbild. Die Reaktionen aus dem Lager UAE Emirates-XRG: Schweigen. Man kennt die Regel: Erst retten, dann reden.
Pogacar selbst hatte Wellens für Strade Bianche als letztes Puzzlestück eingeplant. Die weißen Schotterwege der Toskana sind kein Spaßparcours, sondern ein sechsstündiger Kalkofen. Dort schiebt der Belgier normalerweise 200 Kilometer lang die Ketten, bevor der Slowene zündet. Nun muss Pogacar auf einen neuen Windschatten vertrauen – oder selbst früher ins offene Messer fahren.

Die klassiker werden ruppiger ohne den ruhigen strippenzieher
Wellens‘ Ausfall kommt zum Unzeitpunkt. Die Saison 2026 gilt als die waghalsigste der letzten Jahre: Van der Poel will Revanche nach Roubaix 2025, Evenepoel trommelt für Flandern, und Pogacar jagt den fünften Gesamtsieg in Lüttich. Ohne seinen belgischen Kompass steht Pogacar plötzlich allein im Getümmel – und das in einem Frühjahr, das ohnehin schon mit Vorverletzungen gespickt ist.
Die Lücke ist nicht einfach zu füllen. Marc Hirschi kann zwar Kurven schneiden wie ein Skalpell, aber Wellens‘ Erfahrung auf Kopfsteinpflaster und windigen Dünen ist nicht in zwei Wochen zu ersetzen. Die sportliche Leitung um Joxean Fernández wird nun Nachtschicht einlegen, um interne Rollen neu zu verteilen – und um nicht in die Falle zu tappen, Pogacar zu früh zu verheizen.
Die nächsten Wochen entscheiden, ob Pogacar seine Sammlung auf vier oder fünf Monuments aufstockt. Die Frage ist nicht mehr, ob er es kann – sondern ob er es ohne seinen Schatten schafft. Ein Gedanke, der selbst einem Superstar den Schweiß auf die Stirn treibt.
