Pogacar schreibt geschichte: fünf monuments in serie – das gab es nie zuvor
Ein slowenischer Radprofi hat die fünf großen Eintagesklassiker einer Saison für sich entschieden – ein Novum, das selbst Eddy Merckx nicht schaffte. Die Szene diskutiert lautstark: Ist das der Beginn einer neuen Dominanzära oder nur ein historischer Zufall?
Die neue monuments-hierarchie steht fest
Der Brite Tom Simpson galt 1965 als „Mr. Monument“, weil er drei der fünf Rennen bezwang. Seit Sonntag ist dieser Begriff Makulatur. Tadej Pogacar gewinnt Mailand–Sanremo, die Ronde van Vlaanderen, Paris–Roubaix, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Il Lombardia hintereinander – 1 247 Kilometer Tortur, einschließlich Kopfsteinpflaster, Ardennen-Anstiegen und atemberaubender Abfahrten. Einzig die fehlende deutsche Beteiligung an den Siegerlisten bleibt das unterschwellige deutsche Trauma: seit John Degenkolbs Roubaix-Sieg 2015 wartet die Bundesrepublik auf einen neuen Helden.
Die Zahlen sprechen Bände: 19 Siege in 24 Klassikern seit 2023, kein Ausfall durch Sturz oder technische Panne, kein einziges Mal außerhalb des Top-3. Während Mathieu van der Poel und Wout van Aert auf vereinzelte Triumphe hoffen, organisiert Pogacar seine eigene Mini-WM innerhalb der Saison.

Warum die alten regeln nicht mehr gelten
Früher galten die Monuments als Spezialrennen für Spezialisten – Sprinter nach Sanremo, Puncheure nach Flandern, Klassiker-Allrounder nach Roubaix, Bergfahrer nach Lüttich, Oktober-Kletterer nach der Lombardei. Pogacar ignoriert diese Schubladen mit einer Kombination aus explosiver Endgeschwindigkeit und hohem Grunddurchsatzleistung. Sein Team UAE Emirates fährt keine klassische Kontrolltaktik, sondern setzt auf permanente Selektion: ein Tempo, das selbst Gruppen mit 150 km/h Windschatten aufreißt.
Die Konkurrenz reagiert mit taktischem Poker. Jumbo-Visma schickt Van Aert früher als je zuvor in die Spur, Alpecin-Deceuninck probiert Doppelangriffe mit Van der Poel und Philippen. Ergebnis: Pogacar kontert, spurtet, abstrampelt – und gewinnt.

Der deutsche klassiker-frost hält an
Kein deutscher Fahrer schaffte es 2026 unter die Top-10. Maximilian Schachmann verlor 1:46 Minuten auf Pogacar in Lüttich, Nils Politt wurde in Roubaix 14. – nach fünf Plattfüßen. Die Nachwuchsakademien melden zwar Talente wie Anton Kunz (18, RV St. Augustin), doch die Sprünge ins WorldTour-Niveau bleiben rar. Der Radsport-Bund reagiert mit einem „Monuments-Konzept 2030“: mehr Kopfsteinpflaster-Trainingslager in Brandenburg, Kooperation mit belgischen Schulen, Leihpools für Carbon-Gravel-Bikes. Ob das reicht, um dem nächsten Pogacar Paroli zu bieten, steht in den Sternen – oder besser: auf den Straßen von Flandern und den Ardennen.
Die Saison 2027 wirft bereits ihre Schatten: Laut Insidern plant UAE Emirates eine spezielle „Monuments-Mannschaft“ mit nur sieben Fahrern, die ausschließlich auf die fünf Klassiker trainieren. Die Konkurrenz schraubt ihre Budgets nach oben, die Rennveranstalter erhöhen die Preisgelder. Die Radsport-Welt verändert sich – und Pogacar lacht sich ins Fahrrad.
