Pogacar: kann er das 'nordische inferno' bezwingen?
Paris-Roubaix ist mehr als nur Kopfsteinpflaster und brutale Härte – es ist der Inbegriff des reinen Radsports, ein Gefühl, das man nur in Frankreich und Flandern wirklich erfährt. Und dieses Wochenende versucht Tadej Pogacar, in dieser einzigartigen Umgebung Geschichte zu schreiben. Der Slowene jagt ein seltenes Double, das bisher nur wenigen Legenden vorbehalten war.
Ein erlauchter kreis: die helden der vergangenheit
Fausto Coppi, Felice Gimondi, Eddy Merckx und Bernard Hinault – diese vier Giganten des Radsports, die zwischen den 1940er und 1980er Jahren dominierten, sind die einzigen, denen es bisher gelang, Paris-Roubaix, die Tour de France und den Giro d'Italia zu gewinnen. Coppi brach 1950 als Erster dieses fast unmögliche Triple auf, als er Maurice Diot über 250 Kilometer im Norden Frankreichs besiegte. Gimondi folgte 1967, Merckx 1968 und Hinault 1981, wodurch eine Ära des außergewöhnlichen sportlichen Könnens geschaffen wurde.

Warum die kombination so selten ist
Die Diskrepanz zwischen Tour de France und Paris-Roubaix ist immens. Während die Tour eine Frage der Ausdauer, Taktik und Vielseitigkeit ist, erfordert Roubaix eine ganz besondere Art von Widerstandsfähigkeit, ein Talent für das Manövrieren auf unebenem Untergrund und eine unbändige Entschlossenheit. Nur 15 Radfahrer haben es geschafft, beide Rennen zu gewinnen – ein Beweis für die Spezialisierung des modernen Radsports. Ein Großteil dieser Erfolge liegt vor 1950, was die Evolution des Sports verdeutlicht.
Pogacar, der frischgebackene Sieger der Tour 2025, ist nun der Mann, der diese Tradition fortsetzen will. Er tritt nicht nur an, um zu gewinnen, sondern um zu beweisen, dass die Grenzen des Möglichen neu definiert werden können. Seine Teilnahme ist ein Signal an die gesamte Sportwelt: Die Ära der Alleskönner ist nicht vorbei.

Der historische kontext: eine seltene verbindung
Nur wenige Radfahrer haben es geschafft, sowohl die Tour de France als auch Paris-Roubaix zu gewinnen. Bernard Hinault war der letzte, der dieses Kunststück vollbrachte, vor nunmehr 45 Jahren. Die Liste der Tour-Sieger, die in Compiègne an den Start gehen, ist lang, aber nur wenige haben tatsächlich den Triumph im Velodrom erlebt. Geraint Thomas und Bradley Wiggins, zwei moderne Helden des Radsports, scheiterten trotz ihrer Bemühungen.

Pogacars chance: ein außergewöhnliches talent
Imanol Erviti, eine Legende des spanischen Radsports, sieht in Pogacar einen Mann, der alles möglich macht: “Er ist so stark, dass er das Rennen beeinflussen wird. Es wird ein großes Spektakel, und wir werden alle davon genießen.” Die Erfahrung spielt zwar eine Rolle, aber Pogacars Talent und sein unbändiger Wille könnten den Unterschied ausmachen.
Pogacar tritt nicht als Titelverteidiger des Giro an, sondern mit dem Stolz eines Tour-Siegers im Rücken. Er wird zweifellos die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber er betont, dass er vor allem Spaß haben und ein großartiges Wochenende erleben möchte.

Ein blick in die zukunft: pogacar und die nächste generation
Tadej Pogacar ist mehr als nur ein Radfahrer; er ist ein Hoffnungsträger für eine neue Generation. Er hat bewiesen, dass es möglich ist, die Grenzen des Sports zu sprengen und neue Maßstäbe zu setzen. Ob er dieses Wochenende in Roubaix erfolgreich sein wird, sei dahingestellt. Aber eines ist sicher: Er wird die Welt des Radsports für immer verändern.
