Pogacar crasht, zerreißt sein trikot – und sprintet trotzdem zum ersten mal in san remo
298 Kilometer, ein Flugsturz 50 Kilometer vor dem Ziel, ein zerfetztes UAE-Trikot – und am Ende jubelt Tadej Pogacar auf der Via Roma. Der Slowene hat das 117. Mailand-Sanremo gewonnen, obwohl er sich selbst schon abgeschrieben hatte.
Der sturz, der keinen sieg verhindern wollte
Es ging auf die Cipressa zu, als ein Fahrer touchierte Pogacars Vorderrad. Weg war der Weltmeister. Asphalt, Schürfwunden, ein Ruck durch die Schulter. „Ich dachte: Jetzt ist alles vorbei“, sagte er später. Doch er sprang auf, jagte mit nur einem Teamkollegen durch die Autos, verpasste die Positionierung am Cipressa-Fuß – und griff einfach an. Was folgte, war ein Solo über 27 Kilometer, das sich selbst die Radsport-Insider nicht erklären können.
Am Poggio, neun Kilometer vor dem Ziel, saßen nur noch Tom Pidcock und Mathieu van der Poel im Nacken. Van der Poel platze, Pidcock blieb. Auf der Via Roma trat Pogacar 220 Meter vor dem Ziel an, Pidcock schlüpfte in den Windschatten, kam aber nicht vorbei. 0,12 Sekunden trennten beide am Band – ein Hauch, der Pogacar endlich das letzte fehlende Monument beschert.

Warum dieser sieg geschichte schreibt
Kein Fahrer seit 1984 hatte Sanremo nach einem Sturz in der finalen Phase noch gewonnen. Pogacar musste dafür nicht nur 298 Kilometer, sondern auch die kalte Realität eines kaputten Rades und einer blutenden Hüfte überwinden. Die Daten: 6:01:42 Stunden, 41,2 km/h Durchschnitt, 2.850 Kalorien verbrannt, 312 Herzschläge in der Sprintphase. Die Botschaft: Selbst ein defektes Material kann eine Herzkurve nicht stoppen.
Für die Konkurrenz ist es ein Schock. Van der Poel, der letztjährige Sieger, kassierte seine erste Niederlage auf italienischem Boden seit 2023. Pidcock sprach von „einem der besten Sprints meines Lebens“, wusste aber auch: „Gegen Tadej auf dem Poggio habe ich heute keine Lücke gefunden.“
Und Pogacar? Der lächelt nur, zieht sich das zerrissene Trikot aus und steckt es ein. „Ein Souvenir“, sagt er. „Für die Tage, an denen ich zweifle.“
