Pleiß' knie zerbricht – vechtas playoff-traum schwankt
Ein einzischer Schrei, dann Stille im Rasta-Dome. Tibor Pleiß humpelte in die Kabine, 40 Sekunden vor Schluss. Was wie ein harmloses Verteidigen aussah, war ein Bänderriss im rechten Knie – sechs Wochen Pause, Saison möglicherweise vorbei.
Die Szene war so schnell wie brutal. Ludwigsburgs Brandon Tischler wollte einen Lay-up, Pleiß blieb hängen, das Knie drehte sich nach innen. „Ich dachte kurz, ich lasse ihn laufen“, sagt der 109-malige Nationalspieler, „aber Punkte schenken? Niemals.“ Jetzt zahlt er den Preis: Innenband gerissen, Untersuchung am Montag bestätigte den Verdacht. Ende April, vielleicht Mai – dann ist die Hauptrunde längst gespielt.
Ein center, der mehr ist als nur größe
Seit Dezember war Pleiß Vechtas Lebensversicherung: 21 Minuten, 11,3 Punkte, 46,7 % Dreier, fünf Rebounds. In den letzten fünf Spielen stieg er auf 13,2 Punkte und 5,4 Rebounds – Vechta gewann vier davon. Gegen Oldenburg zeigte er 17 Punkte, zehn Rebounds, vier Blocks – ein Statement, das jetzt nur noch in der Statistik steht.
Gerrit Kersten-Thiele, Sportdirektor, versucht Optimismus: „Tibor ist Profi, er wird zurückkommen.“ Doch die Zahlen lügen nicht: Ohne Pleiß sinkt Vechtas Offensivrating um 8,3 Punkte pro 100 Ballbesitze. Die Defense verliert 6,4 Zähler – ein Play-off-Platz ist bei nur zwei Siegen Vorsprung auf Rang 11 alles andere als sicher.

Kuhse und co. liefern erste antwort
Am Samstag zeigte das Team Nerven. Gegen Chemnitz lag Vechta 61:70 zurück, drehte den Spieß im letzten Viertel – Tommy Kuhse traf den Siegwerfer, 80:78. Vierter Sieg in Serie, aber keiner feiert laut. „Wir wissen, was jetzt auf uns zukommt“, sagt Kuhse. „Tibor fehlt nicht nur als Spieler, sondern als Stimme in der Kabine.“
Weiter unten in der Tabelle wird es noch rauer. Science City Jena kassierte ein 84:108 im Derby gegen MBC, die Thüringer versenkten nur sieben Dreier bei 25 %. Bamberg dagegen schraubt sich mit 20 Treffern bei 57,1 % aus dem Keller – fünfter Sieg in Folge, Heidelberg rutscht tiefer in den Strudel.
Die Saison ist nicht gerettet, nur verschoben. Pleiß trainiert schon wieder im Kraftraum des neuen Performance Centers, mit Staub in den Lungen und einem Termin im Kalender: Ende April. Ob es dann noch um Playoffs geht, entscheidet sich ohne ihn.
