Stuttgart war nur der anfang: dtb-pokal entlarvt deutsches turner-problem
Der DTB-Pokal endete mit zwei Siegen, aber der Jubel blieb im Hinterzimmer der Porsche-Arena hängen. Timo Eder holte Gold am Boden, das Mixed-Team setzte sich durch – und trotzdem stand die deutsche Turnelite am Sonntag vor einem Spiegel, der vor allem Fragen zeigt.
Die medaillen trügen über defizite hinweg
Elf Nationen kämpften in Stuttgart, nur zwei deutsche Finalplätze sprangen bei zehn Einzelentscheidungen heraus. Die Bilanz ist so schonungslos wie eine Abrechnung: Wer im August in Zagreb und im Oktober in Rotterdam Edelmetall will, muss sich zuerst an die eigene Nase fassen. DTB-Präsident Alfons Hölzl redete das Problem nicht schön: „Wir sehen, wo die Latte liegt.“
Barren-Europameister Nils Dunkel spürte sie gleich doppelt. Eine ausgekugelte Fingerpaar machte seine Paradeübung zur Qual. „Ein Stolperstart“, nannte er das. Dennoch: Er ging, stemmte sich durch und half dem Team am Ende gegen die Schweiz. Der Sieg schmeckt trotz Schmerzmittel – doch er weiß: „So wird’s auf der großen Bühne nicht reichen.“

Karina schönmaier schaltet sich aus – und schaltet gleich wieder ein
Die 20-jährige Sprung-Europameisterin verzichtete auf Einzelstarts, um ihre Belastung zu dosieren. Sie sprach stellvertretend für viele: „Wir wissen, dass wir in der Sommerspitzform steigen.“ Das klingt nach Plan, aber auch nach Einsicht, dass derzeit noch Luft zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft.
Die Konkurrenz machte vor, wie eng es zugeht. Japanische, britische und brasilianische Turner belegten in Stuttgart fast alle Podestplätze. Die deutsche Staffel fuhr mit dem Teamgold zwar Selbstvertrauen, doch die Zahlen sind hart: 20 Prozent Finalquote reichen nicht für einen EM-Traum.

Jetzt zählen nur noch taten, keine pr-sprüche
Die nächsten 150 Tage bis Zagreb werden entscheiden. Wer in der Halle trainiert, wo die Stufen stehen, wer seine Schwächen offen benennt und nicht hinter Siegen von Nebenkategorien verschanzt, der kann noch die Kurve kriegen. Der DTB-Pokal war kein Fehlstart – aber ein Weckruf, der bis Rotterdam hallt.
Deutschland hat Talent, hat Titelerfahrung, hat eine Heim-WM im Rücken. Ob es auch die Konsequenz hat, wird sich zeigen. Die Uhr tickt. Die Gegner tun es nicht weniger. Und die internationalen Richter werden nicht nach Sympathie, sondern nach Reinkultur der Elemente urteilen.
