Playoff-rekord ohne overtime droht: 16 spiele, kein einziger krimi
Die Schweizer Eishockey-Playoffs laufen, aber die Uhr bleibt bei 60 Minuten stehen. Seit dem ersten Bully vor zwölf Tagen tickten in 16 Partien keine fünf Minuten länger – eine Stille, die Historiker aufhorchen lässt.
Die letzte overtime liegt 37 jahre zurück
Am 22. März 1988 schlug Davos in der ersten Playoff-Verlängerung überhaupt Lugano 4:3. Seither wurde die Marke von 20 Overtime-freien Spielen nie wieder erreicht. Heute fehlen vier Partien, um diese Serie zu egalisieren – und die Liga ist chancenloser denn je.
Die Tore werden knapper, die Abwehrketten schneller, die Goalies größer. Trotzdem schlägt kein Herz schneller als 60 Minuten. Yannick Frehner zerstörte im Auftaktduell Davos gegen Zug zwar die Hoffnung auf Extrazeit, aber er tat es in der 59. Minute – ein Treffer, der in die Tabelle fiel, nicht in die Geschichtsbücher.

Die angst vor dem penalty-krimi wächst
Trainerlauben schieben in den Kabinen die Statistiken hin und her. Keiner will der erste sein, der den Rekord bricht, aber jeder weiß: Eine Overtime ist nur noch ein Schussblock entfernt. Die ZSC Lions sind bereits im Halbfinale, ohne dass ein einziger Puck die Bande in der Verlängerung touchierte. Das spricht Bände über die aktuelle Balance der Liga – und über die Nerven der Torjäger.
Wenn in den nächsten vier Spielen keine Overtime fällt, wird die Saison 1985/86 ihren eigenen Negativrekord einbüßen. Damals entschied ein kurzer Best-of-Three-Modus die Meisterschaft, heute fordern Best-of-Seven-Serien eigentlich automatisch mindestens einen Krimi. Die Tatsache, dass bislang keiner zustande kam, lässt die Arena-Lautspreiker ungenutzte Spannungstöne versiegen.
Die Uhr tickt. Die Spieler auch. Und die Fans? Die warten auf die Sekunde, in der das rote Lämpchen aufleuchtet und die Eismaschine wieder auf Hochtouren läuft. Denn irgendwann muss die erste Overtime kommen – und wenn es erst im Finale ist, wird sie umso lauter knallen.
