Palladino schickt atalanta mit wut im bauch ins münchner endspiel
Die 75.000 in der Allianz Arena werden am Mittwochabend kein Fußball-Wunder erleben, sondern eine Beerdigung. Raffaele Palladino hat das Manuskript schon vorab verraten: Kein Comeback, nur ein würdevoller Abgang. Nach dem 1:6 von Bergamo reduziert sich die Champions-League-Mission des letzten italienischen Vertreters auf 90 Minuten Selbstrespekt.
Palladino will die sechs gegentore ungeschehen machen
„Der Berg ist so hoch, dass wir nicht mehr auf den Gipfel schauen, sondern nur noch darauf, nicht abzustürzen“, sagte der 41-Jährige am Dienstag im Münchner Regen. Die Wut über die eigene Blamage vom vergangenen Donnerstag habe er seinen Spielern als „Treibstoff“ verkauft. Mehr nicht. Kein Wort vom Viertelfinale, kein Traum vom Wunder. Stattdessen drohte er mit einem Satz, der in den Ohren der Bayern wie eine Drohung klingt: „Wir werden zeigen, dass die sechs Tore zu viel waren.“
Die Rechnung ist simpel: Wer nach 34 Minuten mit 0:3 hintenliegt und am Ende 1:6 steht, hat entweder die taktische Landkarte verloren oder die Nerven. Palladino gibt sich selbst die Schuld. „Wir haben gelernt, was Superiorität bedeutet“, sagte er und klang dabei wie ein Schüler, der vor der Klasse seinen Fehler vorlesen muss. Jetzt will er die Korrektur unterschreiben – mit Ederson, de Ketelaere und Raspadori, die alle drei gerade erst vom Krankenbett kommen. Minuten sollen es werden, nicht mehr. „Vorsichtig“, betonte Palladino, „denn die Serie A wartet.“

Bayern droht langeweile, atalanta droht die saison
Im Olymp ist die Luft schon dünn für die Italiener. Während Vincent Kompany am Dienstag scherzte, er schaue „schon fast das Finale gegen Leverkusen“, plant Atalanta für die Europa. Die Champions-League-Prämien sind weg, die Meisterschaft ruft. Platz fünf reicht für die Königsklasse 2025/26 – ein Trostpoker, der am Mittwochabend in keiner einzigen Statistik auftaucht, aber über Bergamos Zukunft entscheidet.
Um 21 Uhr geht’s los. Dann zeigt sich, ob Wut im Bauch reicht, um die Bayern-Maschine zu bremsen. Palladino glaubt es nicht. Aber er wird trotzdem seine Elf aufs Feld schicken – mit dem Auftrag, das Unvermeidbare hinauszuzögern und das Unwahrscheinliche zu erzwingen. Die Realität sprielt gegen ihn. Die Zahlen auch: 1:6 lautet das Urteil, und selbst ein 5:0 würde nur für den Ehrentreffer reichen. Die Fans werden trotzdem singen. Bis zum Abpfiff. Und danach? Dann bleibt nur noch die Serie A. Die Champions League verabschiedet sich ohne italienisches Team vor dem Viertelfinale. Zum ersten Mal seit 2015. Palladino wird das Buch zuklappen und weitermachen. Mit dem Trost, dass Bergamo das letzte italienische Aushängeschild war – und dass die sechs Gegentore irgendwann nur noch eine Fußnote sein werden.
