Palestra rettet pisacane-cagliari, paz versinkt im fabregas-chaos
Cagliari ist am Abend des 7. März ein Spaltungsprodukt aus Licht und Schatten. Trainer Claudio Pisacane kann sich dank Palestra die Daumen massieren, während Cesc Fabregas auf der Gegenseite mit Paz einen Debakel-Kandidaten beherbergt. Der 0:2-Auswärtssieg der Sardegna-Klub-Auswahl ist längst kein Fußball-Märchen mehr, sondern ein Lehrstück über individuelle Brillanz und kollektives Blackout.
Palestra besticht mit ballerkundung und raumzerstörung
Der 23-jährige Mittelfeldregisseur verschafft Pisacanes System Luft, indem er jede zweite gegnerische Pressinglinie schon im Keim erstickt. Seine 96-prozentige Passquote in der ersten Hälfte ist kein statistisches Schmuckstück, sondern direkt gemünzt: Dreimal spielt er den letzten Pass vor dem Tor, einmal schlägt er die entscheidende Diagonal-Vertikale, die zum 0:1 führt. Kurz: Ohne Palestra kein Cagliari-Fest.
Was danach folgt, ist eine schrittweise Demonstration von Herrschaft. Die Gäste verlagern das Spiel in die halbgaren Räume, wo Palestra wie ein libero avant la lettre operiert. Er blockt, lenkt, leitet um – und stiehlt Fabregas die Schau. Die Zuschauer im Unipol Domus zollen ihm nach 67 Minuten Standing Ovations, als er mit einem Roulette gegen zwei Gegner die Uhr auf Null stellt.

Paz versinkt zwischen laufwegen und leerläufen
Auf der Gegenseite mutiert Paz zur personifizierte Geisterbahn. Der Linksverteidiger kassiert innerhalb von 31 Minuten drei individuelle Niederlagen: Zweikampfverlust, Fehlpass in die Spitze, gedeckte Übernahme. Fabregas reagiert mit Handküsse und wilden Gesten, doch seine Instruktionen prallen an Paz ab wie Regen auf Plastik. Die Folge: Cagliari erobert sich rechts Außen 56 Prozent der zweiten Bälle, ein Wert, der in keiner Leistungsstatistik Bestand haben darf.
Die 78. Minute setzt dem Treiben die Krone auf. Paz stolpert beim Rückwärtssprint, reißt seinen Sechser mit und ebnet so den Weg zum 0:2. Fabregas wirft die Jacke, die Anhänger pfeifen sich in kollektive Ohnmacht. Paz‘ Note von 4,5 (Tuttosport) ist noch geschmeichelnd gemeint.
Cagliari klettert auf rang neun, fabregas muss umbauen
Mit dem Dreier springt Cagliari auf Tabellenplatz neun und rückt bis auf drei Punkte an die Europa-League-Ränge heran. Pisacane kann seine Rotationstaktik fortsetzen, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Fabregas dagegen muss die Abwehr komplett umschichten: Innenverteidiger Luperto droht Gelb-Rot-Sperre, Paz wird wohl auf die Bank wandern müssen. Die nächsten Gegner: Atalanta und AC Milan – kein Raum mehr für Experimente.
Die Botschaft des Abends lautet: Ein einzelner Akteur kann ein ganzes System sprengen oder retten. In Cagliari war es diesmal Palestra, der die Nacht versiegelte und Paz in die Trostlosigkeit schickte. Die Serie A spielt weiter, aber die Filmrollen sind bereits verteilt.
