Italien schreibt rugby-geschichte: erster six-nations-sieg gegen england nach 32 niederlagen
Rome, 7. März. Der Olimpico bebt. Nach 32 Pleiten in 32 Spielen schlägt Italien England mit 23:18 – und das nicht in irgendeinem Freundschaftsspiel, sondern in der Six Nations. Die Azzurri rissen damit das letzte verbliebene Tabu der europäischen Rugby-Welt nieder: Sie besiegten die einzige große Nation, die ihnen bislang unbezwungen geblieben war.
Menoncello und marin schlagen die tore, garbisi tritt die befreiung
Tommaso Menoncello war es, der die 55 000 Zuschauer mit seinem ersten Versuch in der 34. Minute auf die Beine riss. Perfekter Laufwinkel, perfekte Ballannahme, perfektes Finish. Leonardo Marin legte in der 72. Minute nach, als er einen sensationellen Pass von Monty Ioane unter den Pfosten trug. Beide Male verwandelte Paolo Garbisi – und beide Male war es mehr als nur ein Kick, es war ein Akt der Befreiung.
Die Statistik war vorher makellos: 32 Begegnungen, 32 Siege für England. Die Buchmacher hatten Gastgeber Italien als Außenseiter mit 8:1-Quoten gelistet. Doch wer das Spiel sah, erkannte schnell: Diesmal war etwas anders. Die italische Verteidigung stand nicht tief, sondern störte früh. Die Engländer wirkten ideenlos, sobald sie die gegnerische 22 betraten. Und Gonzalo Quesadas Mannschaft spielte mit einer Kühlheit, die wir in Rom selten erleben.

Zwei dumme fehler und ein klassiker in der mitte der zweiten halbzeit
Natürlich halfen die Gäste mit. Lorenzo Pani nahm einen hohen Ball mit dem Fuß – und verlor ihn. Giacomo Nicotera schlug im Ruck den Ball mit dem Ellbogen nach vorne – Gelb, Strafe, drei Punkte. England führte zwischenzeitlich 18:10, und man ahnte das alte italische Drama. Doch diesmal kam die Reaktion: Sam Underhill raste mit der Schulter ins Gesicht eines Azzurro – Gelb, Garbisi trifft. Maro Itoje schlägt die Ball in der Mall – Gelb, erneut. Plötzlich sind es die Engländer, die in Unterzahl agieren, während Italien die numerische Überlegenheit ausnutzt.
Die Schlussphase ist ein einziger Kampf gegen die Uhr. Michele Lamaro, Kapitän und Antreiber, erzwingt den entscheidenden Heldentackle. Die letzte Balleroberung folgt, der Ball segelt ins Tote, und der Olimpico brüllt sich heiser. 23:18 – die Zahlen stehen unanfechtbar in den Büchern.
Italia springt auf rang vier – und die six nations bleiben offen
Mit neun Punkten hängt Italien nun nur noch drei Zähler hinter England. Oben herum führen Schottland und Frankreich mit 16 Punkten, Irland folgt mit 14. Die Endrunde am kommenden Samstag verspricht dramatische Szenarien: Irland gegen Schottland (15.10 Uhr), Frankreich gegen England (21.10 Uhr), dazwischen Wales gegen Italien (17.40 Uhr). Sollte Italien in Cardiff gewinnen, wäre sogar der dritte Tabellenplatz drin – ein Gedanke, der vor einer Woche noch als Himmelstürmer-Klischee gegolten hätte.
Für den italischen Rugby ist dies mehr als ein Sieg. Es ist das Signal, dass die jahrelange Investition in Nachwuchsprogramme, in Fitness, in Mentalität Früchte trägt. Und es ist eine Warnung an den Rest Europas: Die Azzurri sind nicht mehr das bequeme Zählbällchen, sondern ein Gegner, der plötzlich auch die Großen ärgern kann. Rom hat Geschichte geschrieben – und die Six Nations bekommen eine neue Hauptdarstellerin.
