Italien zerstört englands traum: 32-match-fluch endet im olimpico

Roma bebt. Nach 32 Niederlagen in 32 Spielen hat Italien England erstmals besiegt – und wie. 23:18 lautet der Endstand, geschrieben von Tommaso Menoncello und Leonardo Marin. Das Stadio Olimpico wird zur Katakomben-Arena, in der eine Generation endlich ihre Ketten sprengt.

Die angst vor dem 33. kapitel

Gonzalo Quesadas Mannschaft wusste: Verlieren dürfen wir nicht mehr. Drei Minuten vor der Pause lag Italien 10:12, weil Lorenzo Cannone den Ball in der Todeszone verschenkte. Die Pausenpfiffe glichen einem Seufzer der Verzweiflung. Doch statt zu zerbrechen, drehte Italien am Spielfeld den Spieß um. Smiths Cross-Kick zum 12:10-Pausenstand? Ein Schlag ins Gesicht, der wachrüttelte.

Die zweite Hälfte begann mit einem Blackout von Lorenzo Pani – verlorener Ball, Strafen, 15:10. Als Giacomo Nicotera dann Gelb sah, schien der 33. Sieg der Engländer programmiert. Aber Sam Underhill und Maro Itoje erklärten sich bereit, die italienische Hoffnung mit Dummheiten am Leben zu halten. Zwei Gelbe innerhalb von acht Minuten, plötzlich spielt England in Unterzahl. Die Zahlen lügen nicht: Seit 2000 hatte Italien nur viermal zwei Spiele in einem Sei-Nationen-Jahr gewonnen. Heute stehen sie bei zwei Siegen aus drei Partien.

Paarung auf der außenseite

Paarung auf der außenseite

Die entscheidende Szene entsteht aus Nichts. Garbisi chippt den Ball seitlich für Monty Ioane, der wie ein Slalom-Skier einen Haken legt und Menoncello steil schickt. Der Außen-Center legt noch einmal innen ab auf Marin – 23:18. Die Uhr zeigt 72. Minute, das Olimpico kocht. England wirft danach alles nach vorne, aber Michele Lamaro erzwingt den Heldentackling vor den eigenen 22. Die Schlusssirene schreit, die italienische Bank stürmt den Rasen. Erstmals seit 1967 hat ein italienischer Kapitän gegen England gewonnen.

Die Tabelle? Italien auf Platz vier mit neun Punkten, nur drei Zähler hinter England. Die Weltmeister von 2003 sind Tabellenletzter. Für Quesada ist dies mehr als ein Erfolg – es ist die Antwort auf alle, die behaupteten, Italien gehöre aus dem Sei-Nationen-Turnier ausgeschlossen. Der Fluch ist tot. Rome war nicht nur ein Spiel – es war die Geburtsstunde eines neuen Selbstbewusstseins.