Özil-doku enttarnt löw: „ich habe seine rücktrittserklärung nie gelesen“

Joachim Löw räumt ein, was für einen Bundestrainer an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist: Die 13-seitige Rücktrittserklärung seines damaligen Spielmachers hat er nicht einmal gelesen. „Mir war das zu lang“, sagt er in der ZDF-Doku über Mesut Özil – und liefert damit den Beweis, warum der Fall vor sechs Jahren eskalierte.

Grindel, altıntop, yücel – alle reden, nur özil schweigt

Die dreiteilige Reihe „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“ startet am Freitag in der Mediathek. Regisseur Christoph Weinert montiert daraus kein Rührstück, sondern ein Schaustück über deutsche Selbstverliebtheit. Altıntop bricht zusammen: „Er ist ein Freund, aber keiner kennt ihn.“ Grindel palavert von „bedenklicher Rolle“ des Managements. Und Deniz Yücel schleudert das Wort „Denkfaul!“ in die Kamera – gezielt auf Özils dreiteilige Twitter-Abrechnung nach der Erdogan-Affäre.

Die ersten beiden Folgen gleichen einem gebremsten Sprint durch Archive: Schalke, Madrid, Rio – alles schon gesehen. Doch in Episode drei legt Weinert nach. Da wird das Kanzleramt zum Nebenbuhler, der DFB zur Beute. Die Szene, in der Özils Vater Mustafa mit dicker Zigarre zwischen Bücherregalen sitzt und beteuert, „ich habe meinen Sohn immer beschützt“, ist so inszeniert wie ein B-Movie, wirkt aber wegen ihrer schiere Verzweiflung echter als jede PK des Verbandes.

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Die Doku liefert keine Antwort auf die Frage „Wer ist Mesut Özil?“ – und genau das ist ihre Stärke. Stattdessen stellt sie spiegelverkehrt die richtige Frage: „Wer sind wir, wenn wir einen Weltmeister aus der Mitte der Gesellschaft kippen, weil er sich mit einem Autokraten fotografieren lässt, den unser Bundespräsident am selben Tag auch traf?“

Löws Geständnis ist der Knackpunkt. Ein Bundestrainer, der sich nicht die Mühe macht, die emotional wichtigste Erklärung seines Lieblingsspielers zu lesen, disqualifiziert sich selbst. Die Zuschauer erleben live mit, wie eine Führungskraft versagt – und wie der Verband bis heute lieber über Integration redet, als sie mal zwei Sätze lang zu praktizieren.

Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Özil verdient sich seine Ruhe. Deutschland verdient seine Lektion. Und wer nach 150 Minuten immer noch glaubt, Fußball sei nur ein Spiel, hat die letzte halbe Stunde verschlafen.