Otepää schüttelt den sprint-weltcup durch: perrot stolpert, nawrath jubelt

Ein Schuss daneben, zwei Schüsse daneben – und schon droht Eric Perrot die kleine Kristallkugel zu entgleiten. Der Franzose raste in Otepää mit zwei Fehlern und 58 Sekunden Rückstand nur auf Platz zwölf, während Philipp Nawrath im estnischen Regen endlich wieder Champagnerluft schnupperte.

Perrot rutscht ab – samuelsson erhöht

Die Rechnung war simpel: gewinnen oder zumindest vor Sebastian Samuelsson landen. Stattdessen kassierte der 24-Jährige die höchste Strafe des Winters und schaute auf magere 29 Punkte. Samuelsson wurde Siebter und baute die Führung im Sprint-Weltcup auf 45 Zähler aus. «Das ist mein schwächstes Rennen der Saison», sagte Perrot gegenüber L’Équipe TV. «Frustrierend, weil ich wirklich attackieren wollte.»

Der Franzose muss nun am Samstag in der Verfolgung fast schon gewinnen, um die Chance auf die kleine Kugel am Leben zu erhalten. Die Mathematik ist gnadenlos: bei nur noch zwei Sprint-Wertungen bleibt kaum Luft für weitere Patzer.

Nawrath beendet die durststrecke mit null-fehler-knaller

Nawrath beendet die durststrecke mit null-fehler-knaller

Genau andersherum lief es für Philipp Nawrath. Der Oberbayer stand nach dem letzten Schuss noch im Nieselregen, wusste aber: heute passt die Kugel. Kein Fehler, die drittschnellste Laufzeit, Platz drei – und endlich wieder ein Podest nach Monaten des Wartens. «Ich habe die letzten Fehler einfach verbannt», sagte er in der Sportschau. «Wenn du weißt, dass du treffen musst, um mitzulaufen, dann konzentrierst du dich aufs Korn – mehr nicht.»

Hinter dem übermächtigen Sturla Holm Laegreid und dem französischen Spurtfuchs Emilien Jacquelin reichte es zwar nicht zum Sieg, doch die 60 Weltcup-Punkte katapultieren Nawrath wieder in die Top-Ten der Gesamtwertung. Nach der Heim-WM in Oberhof war das der zweite Befreiungsschlag innerhalb eines Monats.

Oslo wird zum endspiel – für beide

Oslo wird zum endspiel – für beide

Der Weltcup in Otepää war die vorletzte Station, bevor in Oslo die letzten Salven fallen. Für Perrot wird die Verfolgung zum Befreiungsschlag, für Nawrath zur Bestätigung. Die Bilanz nach 18 von 20 Sprintrennen: Samuelsson führt mit 45 Punkten Vorsprung, Perrot muss riskieren, Nawrath kann endlich wieder angreifen. Wer in der Holmenkollen-Schanze trifft, träumt von der Kugel – wer daneben zielt, träumt erst einmal vom Urlaub.