Olises nerven flatterten im allianz-tunnel – das steckt dahinter

Michael Olise zitterte. Nicht auf dem Rasen, sondern im Kabinengang, Sekunden vor dem Anpfiff. Christian Falk und Heiko Niedderer sahen es mit eigenen Augen, filmten die Szene für „Bayern Insider“. Der Franzose biss sich auf die Lippe, rieb sich die Hände, atmete kurz, zu kurz.

Der grund ist schneller als seine schritte

Olise ist kein U20-Junge mehr, trotzdem spürt er den Druck der 80-Millionen-Transfer-Summe wie ein zweites Trikot. Die Bayern-Bosse hatten ihn als Rechtsaußen-Erbe von Arjen Robben verpflichtet, mit dem Vertrag bis 2030 und einer 12-Millionen-Jahresgage. Jeder Sprint wird mit dem Vergleich zur „Robben-Schiene“ gemessen, jeder Fehlpass mit einem Seufzer auf den sozialen Kanälen.

Intern wissen die Verantwortlichen: Olise ist ein Perfektionist. Er studiert Videos von Gegenspielern bis zwei Uhr morgens, schreibt sich Notizen in ein schwarzes Büchlein, das er wie einen Schatz verwahrt. Genau diese Angewohnheit machte ihn in der Nacht vor dem Frankfurt-Spiel fast wahnsinnig. Er hatte 17 Einzelvideos von Eintracht-Linksverteidiger Niels Nkounkuna analysiert – und fand keine Lücke.

Flicks geheim-meeting um mitternacht

Flicks geheim-meeting um mitternacht

Hans-Dieter Flick, der neue Sportdirektor, schaltete um 0:43 Uhr das Licht im Video-Kino aus. Laut Falk hatte er Olise eine Stunde lang zugehört, dann die Laptops zuklappen lassen und gesagt: „Spiel dein Spiel, nicht sein Spiel.“ Die Worte halfen kurz, aber die Anspannung blieb. Olise ging mit 3:17 Stunden Schlaf ins Stadion – ein Wert, den die Fitness-App als „kritisch“ markierte.

Im Mixed-Zone nach dem 3:1 wurde er sichtlich erleichtert: „Ich spüre, dass jeder Pass zählt. Wenn ich nicht liefere, liefert Twitter.“ Dabei lieferte er: 94-prozentige Passquote, zwei Vorlagen, eine Solo-Action, die Instagram innerhalb von fünf Minuten 1,2 Millionen Mal abspielte. Die Zahlen beruhigen ihn mehr als jedes Psychogramm.

Der nächste test kommt in madrid

Am Dienstag wartet das Champions-League-Viertelfinale bei Real. Olise flog bereits am Sonntag mit einem Privatjet der Qatar Airways nach Spanien, begleitet von Mentalcoach Philipp Laux. Die Königsklasse ist seine Bühne – und seine Angst. Letzte Saison noch schmiss er mit Crystal Palace Madrid raus, jetzt soll er sie führen. In der Kabine sagt Kapitän Manuel Neuer nur einen Satz: „Wenn du zitterst, zittert mit dir ganz München.“

Die Kamera von „Bayern Insider“ wird wieder dabei sein. Olise weiß es. Und er weiß auch: Wenn die Nerven diesmal bleiben, wird aus Zittern Jubel – und aus einem Jungen mit Notizbuch ein Mann mit Pokal.