Ole book löscht nils und schreibt geschichte: bvb holt sich den mann für die talente

Ole Book trat in den Pressekonferenzraum, als hätte er schon seit Jahren dort gesessen. Kein Zögern, kein Blatt Papier, kein Wasser. Nur ein Satz, der sofort in die Kategorie „Zitat des Jahres“ wandert: „Den Nils habe ich mit fünf Jahren abgeschafft.“ Die Runde lacht, aber alle wissen: Das war die Sekunde, in der der neue BVB-Scoutingchef sich endgültig vom kleinen Jungen aus Beckum verabschiedet hat.

Warum gerade jetzt ein perlentaucher kommt

Der Verein, der sich 2013 noch als „Bank der Talente“ bezeichnete, ist inzwischen der Klub, der den eigenen Nachwuchs verkauft und teuer zurückkauft. Die Bilanz der letzten fünf Jahre: 180 Millionen Euro für externe Neuzugänge, nur 38 für Eigengewächse. Die Talentschmiede läuft auf Sparflamme, der Kader auf Teufel komm raus. Carsten Cramer spricht offen von einem „personifizierten Neuanfang“, doch dahinter steckt die Erkenntnis: Wer nicht scoutet, den scoutet das Geschäft.

Book hat in Elversberg bewiesen, dass er Spieler findet, bevor sie Spieler werden. Timo Becker für 50.000 Euro, heute Bundesliga-Legionär. Semir Telalović für 150.000, heute acht Tore in 15 Zweitliga-Spielen. Die Frage ist nicht, ob diese Methode funktioniert, sondern ob sie in einem Umfeld funktioniert, wo schon der Bierkoch eine Meinung zur Transferpolitik hat.

Die erste woche war ein marathon im sprinttempo

Die erste woche war ein marathon im sprinttempo

Book telefonierte mit Nico Schlotterbeck, bevor er die Wohnung in Dortmund gesehen hatte. Er saß zwei Stunden im Video-Call mit Edin Terzić, um die Doppelfunktion „Können wir einen Sechser spielen, der vorher Sturmfußball gespielt hat?“ zu klären. Er schickte dem Datenteam eine Excel-Liste mit 47 Namen, darunter ein 17-jähriger Däne, der in der drittliga-eigenen Staffel gerade ein Tor mit Hacke erzielt hat. Die Antwort kam per WhatsApp: „Kennen wir, aber wir hatten ihn als Zehner.“ Book antwortete: „Dann guckt ihn noch mal als Sechser.“

Die Vereinsspitze atmete auf. Keine PowerPoint, keine Buzzwords, keine Story. Stattdessen ein Mann, der sagt: „Scouting ist kein Hexenwerk, es ist nur harte Arbeit mit besserer Software.“

Die relegation von heidenheim steckt noch in seinen knochen

Die relegation von heidenheim steckt noch in seinen knochen

Als Elversberg in der 96. Minute das 2:2 kassierte, saß Book auf der Bank und hätte am liebsten mitgespielt. Er erzählt, dass er danach drei Tage lang nur gelaufen ist, um den Frust abzustreifen. „Rückschläge sind wie Muskelkater“, sagt er. „Er tut weh, aber er zeigt dir, dass du gearbeitet hast.“ Für den BVB ist das Programm klar: Die Meisterschaft von 2023, die in der 89. Minute gegen Mainz wegbrach, darf sich nicht wiederholen. Book soll die Spieler liefern, die in der 90. Minute noch sprinten, weil sie wissen, dass ihre Karriere vorher nirgendwo grenzte.

Ob er dafür große Namen braucht? Book zuckt mit den Schultern. „Groß ist, wer später groß spielt, nicht wer früh groß gepriesen wird.“

Die fans bekommen das, was sie sich gewünscht haben

Mutiger Fußball, offene Flügel, Pressing, das sich nach Leidenschaft anfühlt. Kovac-Ball war Controlling, Book-Ball soll Chaos sein – das kontrollierte Art. Die Südtribüne reagierte auf die Vorstellung mit einem Sprechchor: „Ole, Ole, Ole“, natürlich ironisch gemeint, aber laut genug, um als Ohrwurm zu bleiben. Book selbst nimmt sich zurück. Keine Talkshow, keine Kolumne, keine Instagram-Story. „Mein Job ist, dass ihr die Spieler feiert, nicht mich.“

Die interne Machtfrage ist gelöst: Lars Ricken übernimmt das Gesicht nach außen, Book übernimmt das Gesicht nach innen. Ein Duo, das so gar nicht nach Dortmund klingt: still und laut statt laut und lauter.

Am ende bleibt eine einfache rechnung

Findet Book drei Spieler, die zusammen 15 Millionen kosten und 150 Millionen wert werden, hat sich die Investition refinanziert. Findet er fünf, kann der BVB wieder angreifen. Findet er sieben, redet keiner mehr von Bayern-Dominanz. Book selbst sagt: „Fleiß ist keine Strategie, aber ohne Fleiß keine Strategie.“ Dann packt er seinen Laptop aus, auf dem ein Video eines 18-jährigen Brasilianers läuft, der in der Copa São Paulo gerade einen Fallrückziecktor erzielt hat. Der Junge heißt Yan, aber Book notiert sich: „Yan – prüfen als linker Halbraumverteidiger.“ Der Neuanfang hat längst begonnen, nur eben ohne Trommeln und ohne Nils.