Oldenburg raus: punkteabzug wegen formular-panne versiegt playoff-traum

Die HBF schlägt gnadenlos zu. Weil der VfL Oldenburg eine Spielerin ohne gültige Anti-Doping-Vereinbarung auflief, strich die Liga nachträglich zwei Punkte – und begräbt damit die letzte Hoffnung auf die Meisterschaftsrunde. Fünf Spieltage vor Schluss steht der Tabellenvierte von gestern auf Platz fünf, zehn Zähler hinter dem Spitzenpaar. Die Saison ist gelaufen, die Schuldfrage geklärt.

Andreas Lampe zuckt mit den Schultern, aber die Stimme zittert. „Ich übernehme die volle Verantwortung“, sagt der Geschäftsführer, der seine Junioren-Mannschaft schärfer kontrollierte als die Bundesliga-Profis. In der Präventionswut sammelte er Unterschriften des kompletten Nachwuchskaders – und vergaß genau das Formular der später eingesetzten Feldspielerin. Ein einziges Blatt Papier, zwei Spiele, null Punkte. Oldenburg verlor gegen Blomberg-Lippe (21:30) und remis gegen Zwickau (25:25), doch die Wertung wird annulliert. Die Gegner behalten ihre Zähler, die Tordifferenz der HSG schrumpft um neun Treffer. Die Liga folgt Punkt 6.4 der Spielordnung, ein Automatismus ohne Ermessen.

Blomberg profitiert – dortmund vor dem endspurt

Die neue Tabelle lügt nicht. Blomberg führt mit 34:4 Punkten, Dortmund folgt mit 33:3. Am Karsamstag treffen die beiden Teams direkt aufeinander. Sollte der BVB beide restlichen Partien nur remisieren, würde die bessere Tordifferenz der HSG den ersten Platz sichern. Ein Sieg in irgendeinem der beiden Spiele macht die Sache klar. Der Thüringer HC kann dagegen schon morgen den vierten Rang sichern – und sich auf das Final-Four der EHF European League konzentrieren.

Zwickau dagegen klettert auf Platz acht, holt sich einen Zähler geschenkt und spielt plötzlich gegen Abstieg. Am Mittwoch gastiert der BSV beim THC, am Samstag folgt das Kellerduell in Göppingen. Die rote Laterne kann der Klub nicht mehr erreichen, doch der direkte Vergleich könnte am Ende über Rang neun oder zehn entscheiden – und damit über die Lizenz für die kommende Spielzeit.

Der preis für ein formular: 250 000 euro und ein jahr lebenszeit

Der preis für ein formular: 250 000 euro und ein jahr lebenszeit

Intern rechnet der VfL mit einem Schaden von mindestens einer Viertelmillion: ausfallende Playoff-Prämien, fehlende TV-Gelder, sinkende Sponsorenzusagen. Dazu kommen die Kosten für externe Compliance-Berater, die Lampe nun einstellt. „Wir werden unsere Prozesse anpassen“, klingt das wie ein Satz aus einem Krisenhandbuch. Die Spielerin selbst muss sich nichts vorwerfen lassen – sie unterschrieb, der Verein vergaß die Weiterleitung.

Der Fall erinnert an die Rückzieher der Löwen und des TV Hüttenberg in der Männer-Bundesliga. Auch dort kostete ein fehlendes Dokument Punkte und Prestige. Die HBF will künftig elektronische Statusabfragen einführen, doch diese Saison ist verbrannt. Für Oldenburg bleibt ein Trostpokal: Als Fünfter startet man die kommende Runde mit optimaler Ausgangsbasis – vorausgesetzt, die Geschäftsstelle findet bis dahin den Stapel neuer Formulare.