Ofc-fans radeln zu jedem kickers-spiel – ihre mission heißt rettung
Die Saison ist ein Trauerspiel, der Abstieg droht – aber auf dem Bieberer Berg gibt es noch eine letzte Bastion: das Halbfinale im Hessenpokal. Und während die Mannschaft zweimal erst im Elfmeterschießen wackelte, legen ihre Anhängern Kilometer um Kilometer quer durch Hessen zurück – auf dem Rad. Sie folgen dem OFC nicht nur mit dem Herz, sondern mit den Knien.
Warum das pokalhalbfinale mehr ist als nur ein spiel
Kickers Offenbach gegen Barockstadt Fulda-Lehnerz, Dienstag, 19 Uhr. Wer die Tabelle studiert, erkennt: Der Gegner steht zehn Plätze besser, hat sieben Punkte mehr. Doch im Pokal zählt nur der Sieg – und der bringt mehr als Metall: Er bringt ein DFB-Pokal-Heimspiel, TV-Geld, Aufmerksamkeit. „Das ist unsere Schnellstraße zurück in die Emotion“, sagt Interimscoach Mark Zimmermann, der nach dem Glibo-Desaster das Ruder übernahm. „Wir brauchen keine 34 Spiele, wir brauchen nur zwei Siege.“
Die Fans haben schon begonnen. Seit August radeln sie zu jedem Auswärtsspiel – 2 400 Kilometer sind zusammen, quer durch Provinzstadien und Regengüsse. Ihre Sattel sind schwarz-weiß tapeziert, ihre Beine wund, ihre Stimmen noch lauter. „Wir wollten zeigen, dass der OFC nicht nur ein Klub, sondern ein Lebensgefühl ist“, sagt Gruppen-Sprecher Toni B. „Wenn die Mannschaft schwankt, halten wir das Rad gerade.“

Die gefährliche ruhe vor dem sturm
In der Liga wankt Offenbach auf Rang 15, nur zwei Punkte vor dem Abstiegsrelegationsplatz. Die Tordifferenz: minus 13. Die Moral: angeknackst. Doch im Pokal kehrte kurz Selbstvertrauen zurück. Erst schlugen sie Kreisoberligist Leusel, dann Zweitliga-Absteiger FSV Frankfurt – beide Male nach 120 Minuten und elfmeterschießen. „Wir haben gelernt, dass wir auch dann stehen, wenn die Beine zittern“, sagt Kapitän Marcel Kaffenberger. „Das können wir morgen wieder brauchen.“
Fulda-Lehnerz indes reist mit der Reserve der Coolness an. Trainer Matthias Mink kennt die Druckkocher-Bieberer-Atmosphäre aus seiner Zeit als Spieler beim FC Gießen. „Die Fans radeln, die Spieler kämpfen – das wird laut. Aber genau das wollen wir“, sagt er. Seine Mannschaft hat in der Liga gerade drei Mal in Folge nicht verloren, die Offensive um Topstürmer Leon Möller liegt bei 41 Saisontreffern. „Wir haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen.“

Die rechnung mit der rettung
Ein Sieg, und der OFC steht im Finale – wieder daheim, wieder vor vollen Rängen. Noch ein Sieg, und die Saison ist versöhnt, der DFB-Pokal lockt, das Konto füllt sich. „Wir wissen, dass wir der Liga einen Gefallen tun, wenn wir im Pokal durchhalten“, gibt Zimmermann unverblümt zu. „Geld rein, Image rauf, Selbstbewusstsein hoch – das zieht sich wie ein Seil durch den Sommer.“
Die Fans haben schon ihre Ketten geölt. Sollte der OFC das Finale erreichen, wollen sie die letzte Etappe bis nach Kassel radeln – 180 Kilometer in einen Tag. „Wir sind der Motor, der auch dann läuft, wenn der Benzinpreis steigt“, sagt Toni B. und lacht. „Und wenn der Pokal am Ende blinkt, waren die blutigen Füße jeden Meter wert.“
Am Dienstagabend wird sich zeigen, ob die Rettung Fahrt aufnimmt – oder ob das Rad ins Stottern gerät. Die Zahlen sind klar: 90 Minuten, elf potenzielle Elfmeter, ein ganzer Verein auf der Kippe. Die Fans werden wieder da sein, mit oder ohne Sattel. Der OFC braucht sie mehr denn je. Denn manchmal reicht ein einziger Sieg, um eine Saison neu zu erfinden – und manchmal reicht eine Runde im Kreis, um nach vorne zu kommen.
