Odermatt brettert in kvitfjell auf tiefs: 19. platz weckt zweifel vor riesenslalom-kracher

Der Mann, der diesen Winter fast alles gewann, fand sich am Sonntag mit Startnummer 15 wieder: Marco Odermatt, sonst ein Garant für Podestplätze, tuckerte im norwegischen Kvitfjell über die Zielgerade – und landete abgeschlagen auf Rang 19. Sein schlechtestes Super-G-Ergebnis seit März 2020.

Die Zahlen sind hart: 1,72 Sekunden fehlten auf den Sieger, Österreicher Stefan Babinsky. Für den Schweizer eine Ewigkeit. Schuld war nicht nur der Wind, der sich kurz vor seinem Start aufbäumte. Auch Odermatts Körper schien sich zu weigern. «Ich habe das zuvor noch nie erlebt: Bei der Besichtigung fehlten mir Lust und Motivation», sagte er nach dem Rennen dem «Blick». Und das, obwohl er die kleine Kristallkugel für die Super-G-Wertung bereits sicher hatte.

Warum kvitfjell odermatts persönliches bermuda-dreieck bleibt

Kein anderer Weltcup-Standort widersteht dem Nidwaldner so hartnäckig. Drei Starts, null Siege – Kvitfjell ist und bleibt seine weiße Weste. Schon 2022 rutschte er hier auf Platz 28. Die Spuren sind tiefer als im Schnee: «Das ist kein cooler Abschluss», gab er offen zu. Seine Technik, sonntagsreif auf perfekt präparierten Pisten, wirkte an diesem Tag wie ein Zahnrad, dem das Öl fehlt.

Ex-Weltmeister Christof Innerhofer, selbst nur eine Position vor Odermatt, erklärt: «Als Marco losfuhr, war es richtig windig. Die Bedingungen passten nicht.» Marc Girardelli, selbst fünffacher Gesamtweltcupsieger, sieht die Saisonlänge als Brandbeschleuniger: «Selbst ein Ausnahmeathlet wird müde.» Und Pirmin Zurbriggen, vier Mal Super-G-Kugel, ergänzt: «Odermatts Setup ist hochsensibel. Funktioniert er nur zehn Prozent schlechter, fehlt sofort ein halbes Zehntel.

Dienstag wird zum all-in-duell: 48 punkte vorsprung auf braathen

Dienstag wird zum all-in-duell: 48 punkte vorsprung auf braathen

Doch wer nun denkt, der Rückschlag würde den Schweizer lähmen, kennt Odermatt schlecht. Schon oft nutzte er Niederlagen als Brennstoff. Am Dienstag geht’s in Åre um die Riesenslalom-Kugel – und um die Frage, ob er Geschichte schreibt: Noch nie gelang einem Skifahrer drei große Kugeln in einer Saison. 48 Punkte Vorsprung auf Lucas Pinheiro Braathen, das klingt nach Polster, ist es aber nicht. Ein Ausscheiden, ein Sturz, und die Kugel rutscht dem Norweger in den Schoß.

Felix Neureuther sieht im Desaster von Kvitfjell sogar einen Vorteil: «Er kann sich nun befreit auf den Riesenslalom konzentrieren, ohne dass das Super-G-Gerüst noch wackelt.» Die Psycho-Frage bleibt: Wie sehr nagt der Selbstzweifel, den Odermatt selbst formulierte: «Ich wäre mit dem besten Set-up wahrscheinlich auch scheisse gefahren»? Die Antwort gibt das Weiße Rennen am Dienstag – und sie dürfte über Jahreszeiten hinausweisen. Denn wer in Åre triumphiert, darf sich nicht nur dreifacher Kugelgewinner nennen, sondern auch als Skirennfahrer, der selbst Wind, Müdigkeit und mentale Löcher besiegen kann.