Nhl kehrt nach 15 jahren zurück – stützle und co. liefern weihnachts-spektakel im düsseldorfer dome
15 Jahre hat es gedauert, jetzt knallt es wieder auf deutschem Eis: Die NHL lässt am 18. und 20. Dezember im Düsseldorfer Dome zwei reguläre Saisonspiele austragen – und Tim Stützle fährt als Hoffnungsträger vor heimischer Kulisse auf.
Die Ottawa Senators treffen dabei zweimal auf die Chicago Blackhawks. Stützle, 23 Jahre alt und inzwischen Kapitän der Senators, wird zum Zugpferd der „NHL Global Series“. Die Liga selbst spricht von einem „Schlüsselmarkt“ – und meint damit nicht nur die 10.000 Zuschauer im Dome, sondern die 83-Millionen-Volksbank vor der Haustür.

Warum düsseldorf – und warum jetzt?
Die Antwort lautet: Bill Daly. Der Deputy Commissioner zog die Schublade „deutsche NHL-Stars“ auf und fischte Leon Draisaitl, Moritz Seider und eben Stützle heraus. Die drei verkaufen in Deutschland mehr Trikots als mancher Playoff-Club in Nordamerika. Dazu passt, dass die Düsseldorfer EG – früher DEL-Flaggschiff, heute Zweitligist – mit einem Sponsoring-Netzwerk aufwartet, das selbst der NHL das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.
Der Deal ist langfristig angelegt. Mindestens drei Jahre will die Liga hier Station machen, parallel fließt Geld in den Breitensport. Schlittschuh-Kurse, Schulprogramme, Fan-Feste – alles dabei. Die Botschaft: Die NHL will nicht nur konsumieren, sie will investieren. Das klingt nach CSR-Papier, ist aber ein klassisches Machtspiel: wer die Hallen füllt, bestimmt auch, welcher Sender künftig die Rechte kauft.
Nostalgie hin oder her – die letzte reguläre Partie auf deutschem Boden datiert aus dem Jahr 2011, als die Buffalo Sabres und die Los Angeles Kings in Berlin den Auftakt markierten. Seither gab es nur Exhibition- Games gegen deutsche Teams. Showcharakter, keine Punkte. Das ändert sich jetzt. Die Senators-Ducks-Partie am Samstag wird zusätzlich live auf Großleinwand vor dem Schauspielhaus übertragen – Eintritt frei. Der Stanley-Cup steht nebenan, Selfies inklusive. Die NFL macht’s vor, die NBA kopiert, die NHL zieht nach.
Und Stützle? Der dürfte kreisrunde Augen bekommen. Vor 15.000 Fans in der LANXESS arena war er schon Kult, vor 10.000 im eigenen Wohnzimmer wird er zur Ikone. Die Tickets kosten zwischen 49 und 249 Euro – restliche Karten gibt es nicht mehr. Der Sekundärmarkt explodiert, Vi-agogo verlangt für Stehplätze bereits 400 Euro. Die NHL freut sich, Düsseldorf freut sich, der Deutsche Eishockey-Bund freut sich. Die Liga verkauft das Event als „Heimspiel für ganz Europa“. Die Realität: Ein Testlauf für mehr. London, Prag, Stockholm – alle bekommen ihre Spiele. Deutschland ist nur der Anfang.
Für Stützle selbst ist es ein Business-Trip im Weihnachtsgewand. Er fliegt ein, spielt zwei Spiele, fliegt wieder raus. Dazwischen stehen Interviews, Sponsor-Termine, Kinderschulterklopfen. Die Saison läuft weiter, die Punkte zählen. Ottawa steht aktuell außerhalb der Playoff-Ränge. Ein Sweep gegen die Blackhawks wäre also nicht nur PR-Gag, sondern Notwendigkeit.
Die Uhr tickt. In neun Monaten geht’s los. Dann steht der Dome im Weihnachtslicht, die Brass-Band spielt „Jingle Bells“, und irgendwo zwischen Blauen Linien und Plexiglas schlittschuhlt ein Kölner Junge mit Ottawa-Streifen auf deutschem Eis. 15 Jahre Wartezeit – vorbei. Länger wird die NHL diesmal nicht wegbleiben.
