Neymar kehrt zurück: brasilien ruft o'ney vor die wm

Es gibt Geschichten, die man einfach nicht loslassen kann. Neymar Jr. ist eine davon. 26. Februar 2026, Santos, Estadio Urbano Caldeira: Der Mann mit der Nummer 10 trifft doppelt gegen Vasco da Gama in der brasilianischen Série A. Und plötzlich ist alles wieder möglich.

Ein doppelpack, der die welt aufhorchen lässt

Ich sage es offen: Ich hatte aufgehört zu hoffen. Nach den Jahren in Saudi-Arabien, dem Geld, das lauter sprach als jede Pässe, nach den Verletzungen, die sich stapelten wie alte Rechnungen – da hatte man das Recht, Neymar abzuschreiben. Aber dann kam Santos. Dann kam dieser Abend.

Die Rückkehr zu seinem Jugendklub war kein sentimentaler Ausflug. Sie war ein Eingeständnis. O'Ney wusste, dass er auf höchstem Niveau nicht mehr mithalten kann – und er hat es trotzdem gewählt. Oder gerade deswegen. Weil Santos ihm etwas zurückgeben konnte, das kein arabisches Petrodollar ersetzen kann: Freude am Fußball.

Ancelotti schaut hin – und das sagt alles

Ancelotti schaut hin – und das sagt alles

Carlo Ancelotti ist kein Mann, der sich von Nostalgie leiten lässt. Der Trainer der Seleção hat Neymar trotzdem in die Vorberufungsliste aufgenommen. Für die Freundschaftsspiele am 26. und 31. März gegen Frankreich und Kroatien – zwei Tests, die den letzten Kader vor der WM formen sollen. Ancelotti hat gesehen, was wir alle gesehen haben, und er hat gehandelt.

Die letzte offizielle Partie für die Verdeoro liegt im Oktober 2023 zurück. Seitdem: Schweigen, Schmerz, Operation, Rehabilitation. Und jetzt dieser Doppelpack. Neymar ist der zweitmeistgespielte Brasilianer aller Zeiten mit 128 Einsätzen und der absolute Rekordtorschütze mit 79 Treffern. Diese Zahlen verschwinden nicht, nur weil man zwei Jahre pausiert hat.

Was wirklich auf dem spiel steht

Was wirklich auf dem spiel steht

Hier geht es nicht mehr darum, ob Neymar der Beste ist. Das ist er nicht mehr, und das weiß er selbst. Es geht um etwas Tieferes. Die Angst, die mich beschleicht, ist nicht die vor einem Gegner Neymar. Es ist die Angst, ihn nie wieder spielen zu sehen. Nie wieder dieses Hüftschwingen, dieses Lächeln nach einem Dribbling, das niemand erwartet hat.

Fußball ohne solche Momente ist Sport. Mit ihnen ist er Kultur.

Neymar hat letztes Jahr den Santos quasi im Alleingang gerettet – teilweise verletzt, teilweise mit Schmerzmitteln im Blut, bis die Operation nicht mehr aufzuschieben war. Das ist keine Heldengeschichte aus dem Märchenbuch. Das ist ein Mensch, der weiß, dass die Zeit abläuft, und der trotzdem alles gibt.

Der letzte tanz hat begonnen

Der letzte tanz hat begonnen

Ob er bei der WM 2026 dabei sein wird, weiß heute niemand. Die Vorberufung ist kein Ticket, sie ist eine Einladung zum Probetraining. Aber dass wir überhaupt wieder über Neymar in diesem Zusammenhang sprechen – das ist mehr, als die meisten von uns vor einem Jahr für möglich gehalten hätten.

Ich bin Stefan Fischer, und ich schreibe seit Jahren über Sport. Ich habe viele Comebacks gesehen, echte und inszenierte. Dieses hier fühlt sich anders an. Nicht triumphierend. Nicht laut. Eher wie ein letzter Atemzug vor dem Tauchgang – und Neymar hat noch immer die Lungen eines Weltklasseschwimmers.

Der Tanz läuft. Ob er mit WM-Gold endet oder mit einer stillen Umarmung in Santos, wird die Zeit zeigen. Aber er läuft – und das ist verdammt nochmal genug.