Neymar boykottiert auswärtsspiele: brasiliens superstar zieht sich zurück

Neymar Jr. spielt nur noch daheim. Der Superstar verweigert dem Santos FC seine Dienste in fremden Stadien – und löst damit ein nationales Erdbeben aus. Die Nachricht kommt knapp drei Monate vor Ancelottis WM-Kader-Entscheidung am 18. Mai in Rio. Wer jetzt kein Risiko eingeht, fliegt vielleicht gleich ganz aus dem Kader.

Die begründung: knie, prp, druck

Hinter der Absenz steckt ein medizinisches Konstrukt. Nach der Arthroskopie am linken Knie im Januar bekam der 33-Jährige eine Plättchen-PRP-Therapie. Das Dokument spricht von „Belastungssteuerung“, doch die CBF wurde erst informiert, als Neymar schon in São Paulo ausstieg. Ancelotti saß in Mirassol auf der Tribüne – ohne seinen Kapitän, ohne jede Vorwarnung.

Die Statistik lügt nicht: Seit seiner Rückkehr zu Santos bestritt Neymar fünf Heimspiele, kein einziges Auswärtsspiel. Die letzten beiden Partien in Mirassol (2:2) und Belo Horizonte (0:0) absolvierte er nur virtuell, auf Instagram. Die Konsequenz: Sein Spielrhythmus beträgt aktuell null Minuten außerhalb der Vila Belmiro.

Die folgen: lagerflut und machtkampf

Die folgen: lagerflut und machtkampf

Im Land, das den Fußball erfand, ist die Spaltung perfekt. Die eine Hälfte fordert: „Neymar muss spielen, sonst droht WM-Ausschluss.“ Die andere kontert: „Lieber drei fitte Wochen als fünf kaputte Jahre.“ Dazwischen steht Ancelotti, der am 18. Mai nur 26 Namen aufs Papier bringt. Seine einzige Gewissheit: Ein Turnier mit acht Spielen in 38 Tagen verzeiht kein zweites Knie-Out.

Die Parallele zu Romário zieht sich durch die Kommentarspalten. 2007 verweigerte der „Baixinho“ noch Auswärtsspiele für Vasco, wurde trotzdem nominiert – und war bei der Copa América nur Statist. Neymar aber will keine Statistik sein. Er will der Nachfolger von Ronaldo, Rivaldo, Ronaldinho sein. Dafür riskiert er jetzt den Shitstorm, um im Juli in den USA die Bühne zu betreten.

Die Uhr tickt. Santos reist nächste Woche nach Cuiabá, dann nach Recife. Werden die Tickets bereits vorab mit „Neymar-frei“ verkauft? Der Verein schweigt, die CBF schaltet Juristen ein, und Brasilien diskutiert, ob ein Star, der nur zu Hause kickt, noch ein Teamplayer ist. Die Antwort liefert der 18. Mai – und danach gibt es kein Zurück mehr.