Neuer zwingt real madrid in die knie – mit 40 die uhr zurückgedreht

Manuel Neuer lachte, als hätte er gerade einen Scher gemacht. „Eine Frechheit!“, sagte er ins Mikrofon von Prime Video, nachdem Kylian Mbappé ihn mit einem platzierten Schuss ins lange Eck bezwungen hatte. Der Ball war drin, aber der Abend gehörte trotzdem Neuer. Mit neun Paraden, zwei davon von der Sorte, die Torhütertrainer später im Schnittvideo einrahmen, schraubte der 40-Jährige den FC Bayern an der Santiago-Bernabéu vorbei an Real Madrid und schickte die Königlichen mit dem 1:2 in die Kabine. Das war kein Fußballspiel, das war ein Statement.

Neuer gegen mbappé: duell auf zeitreise

Die Zahlen sind ein Mikrofon für die Leistung: neun Saves, davon zwei gegen Vinicius und drei gegen Mbappé, alle aus Nahdistanz. Die Expected Goals-Statistik für Real lag bei 1,8 – Torschusswert, den Neuer annullierte, als hätte er die Excel-Tabelle vor sich. In der 61. Minute lief Vinicius frei, Upamecano hatte den Ball vertändelt, und die 75.000 im Stadion atmeten schon ein. Neuer kam heraus, blieb aufrecht, machte sich groß. Vinicius zog ab, der Ball kullerte am Außennetz vorbei. Das war kein Reflex, das war Psychologie. Der Brasilianer schaute sich um, als hätte er vergessen, wie man tritt.

Die Bayern-Fans sangen „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, und auf der Bank flogen die Kaugummis aus den Mündern. Pavlovic, 20 Jahre jünger als sein Kapitän, schüttelte nur den Kopf: „Was der heute wieder abgeliefert hat, ist Wahnsinn.“ Sportvorstand Eberl nannte es „bravourös“. Die Presse nennt es „Altersarbeit auf Champions-League-Niveau“. Neuer selbst wischte ab: „Es macht mir Spaß.“ Drei Worte, die mehr erklären als jede Statistik.

Die uhr läuft rückwärts – und niemand will sie anhalten

Die uhr läuft rückwärts – und niemand will sie anhalten

Seit 2011 steht Neuer in dieser Arena, seit 2011 verlässt er sie als Sieger, wenn es brenzlig wird. Die Frage nach der Nationalmannschaft quält ihn seit der WM 2022, aber sie interessiert ihn gerade so wenig wie die Frage, ob er denn noch schnell genug sei. „Ich fokussiere mich auf Bayern“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass er gerade die beste Antwort gegeben hat. Die Vertragsgespräche laufen, intern heißt es, dass die Bosse ein weiteres Jahr wollen. Jonas Urbig wartet, aber selbst der 21-Jährige weiß: Gegen Real Madrid gewinnt man nicht mit dem Nachfolger, sondern mit dem Erfinder des modernen Torwartspiels.

Die Serie der neun sieglosen Spiele gegen Real ist gerissen, die Serie der Zweifel an Neuer auch. Am Ende stand er unter der Südkurve, hob die Faust, und 4.000 Bayern-Fans skandierten seinen Namen. Es war ein Moment, der keine Zukunftsfrage offen ließ. Manuel Neuer ist nicht alt. Er ist einfach fertig mit dem Altern.