Neuer schlägt zurück: matthäus-provokation lässt ihn zur wm-option erwachen

Es ist 01:05 Uhr, die Uhr im Bernabéu tickt runter, und Manuel Neuer fliegt. Drei Gänge höher schreit Lothar Matthäus ins Mikro: „Der muss zur WM!“ 17 Stunden später meldet sich der Torwart selbst zurück – mit einem Satz, der die DFB-Führung sofort wachrüttelt.

Die nacht von madrid war sein probestand

0:2 in Madrid, 3:2 am Ende – ohne Neuer wäre das Achtelfinal-Aus besiegelt gewesen. Die Statistik: sieben Reflexe der Kategorie „impossible“, laut Opta die höchliche Anzahl eines Keepers in dieser Champions-League-Saison. Julian Nagelsmann schickt direkt nach Abpfiff eine Sprachnachricht nach München: „Wenn er das zwei Mal wiederholt, nehme ich ihn morgen noch mit zum Confed-Cup.“

Doch der Kapitän, seit Dezember außer Dienst, hatte eigentlich andere Pläne. „Ich wollte diese Saison nur Gesundheit sammeln“, sagt er BILD, „nicht um Diskussionen anzetteln.“ Dann kam die Matthäus-Kolumne. „Wenn der Lothar so laut wird, kannst du nicht einfach weghören“, lacht Neuer. „Ich habe geschlafen – zweieinhalb Stunden. Danach habe ich Nagelsmann geschrieben: ‚Ich bin bereit, wenn ihr mich braucht.‘“

In der kabine spricht nur noch er

In der kabine spricht nur noch er

Thomas Müller bestätigt: „Nach dem 0:2 hat Manu die Mauer neu sortiert, dann die Viererkette, dann uns alle. Seit 2014 haben wir keine Stimme mehr so erlebt.“ Die Folge: Bayern dreht die Partie, Neuer verhindert in der 93. Minute den 3:3-Knaller von Bellingham mit einer Hand, die eigentlich noch in der Bandage steckt.

Die DFB-Ärzte wollen ihn nun am Montag in Frankfurt sehen. MRT, Belastungstest, psychologisches Screening – alles schon angesetzt. Nagelsmann will vor dem EM-Turnier Klarheit. „Wir fliegen mit Ter Stegen, Trapp und – wenn fit – Neuer“, sagt er vertrauten Kreisen. „Drei Nummer-eins-Torhüter. Das ist kein Luxus, das ist Versicherung.“

Die zahl, die alles bewegt

Die zahl, die alles bewegt

Seit seiner Rückkehr aus dem Skiunfall hat Neuer 19 Pflichtspiele absolviert – 17 Siege, zwei Remis. Die xGOT-Parade-Quote (Expected Goals on Target verhindert) liegt bei 42 Prozent, Liga-Spitzenwert. „Wenn du diese Zahlen ignorierst, ignorierst du die Realität“, erklärt Matthäus. „Und Realität ist: Ein gesunder Neuer ist immer noch Weltklasse.“

Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen will ihn nicht bremsen: „Wir haben Vertrag bis 2025. Wenn er zur WM will, wird der Klub nicht nein sagen.“ Intern ist sogar ein Trainingsplan bis Mai durchgesickert: 30 Minuten Spielpraxis gegen Frankfurt, 45 Minuten in Stuttgart – dann Vollgas ab dem Pokalfinale. Ziel: 90 Minuten Dauerbelastung vor der Reise nach Nordamerika.

Der letzte Satz gehört Neuer selbst. Er spricht ihn, während er die Torwarthandschuhe in die Tasche packt, neben ihm der Pokal von Madrid. „Ich weiß, wie schnell Leute sagen: Der ist 40. Aber ich fühle mich 28, und die Linie zwischen Torpfosten und Weltmeister ist manchmal nur ein Zentimeter. Dieses Zentimeter habe ich wieder getroffen.“ Dann geht er Richtung Ausgang. Die Tür schließt leise – und die WM-Debatte laut.