Neuer raus, kane drin: bayerns tor-frage vor atalanta
45 Minuten. Dann war Schluss. Manuel Neuer verließ schon zur Pause den Rasen, die alte Wade meldete sich wieder – und mit ihr die Angst, dass Bayerns Champions-League-Ausflug nach Bergamo ohne den Kapitän stattfinden muss. Vincent Kompany sprach es nach dem 4:1 gegen Gladbach aus, ohne Pathos, dafür mit hörbarer Ernüchterung: „Manu hat wieder etwas gespürt.“

Die tor-frage: urbig oder notlösung?
Jonas Urbig lachte nach Abpfiff nicht. Er stand einfach da, Handschuhe noch an, bereit. Der 21-Jährige hat in dieser Saison schon zweimal die Lücke gerissen, die Neuer reißt: in Frankfurt, in Dortmund, beide Male 3:2. Die Note 1 in Eindhoven steht noch im Raum. Für Kompany ist er keine Notlösung, sondern der sichere Zweitplan. „Wir wissen, was wir an ihm haben“, sagt der Belgier, fast so, als wäre die Entscheidung längst gefallen. Die Mediziner müssen nur noch das Protokoll unterschreiben.
Derweil wirft Harry Kane Schatten – positive. Er saß gegen Gladbach in der Loge, die Wade bandagiert, das Gesicht entspannt. In der Kabine angekommen strahlte er, lachte mit den Physios, schlug Bellingham-Memes auf dem Handy vor. Kompany sah das und schmunzelte: „Gute Körpersprache.“ Für ihn ist das mehr als ein Signal, es ist ein Plan. Kane will, und wenn er will, spielt er. Dienstag, 21 Uhr, Atalanta-Stadion, Live im Fernsehen. Sollte er abbrechen, läuft Musiala auf falsche Neun, aber die Rechnung geht ohne den Engländer nicht auf.
Olise als Konstante – und die Lust, zu rotieren
Michael Olise saß 90 Minuten durch, einziger Feldspieler ohne Einsatzzeit. Kein Leistungsproblem, betont Kompany, sondern ein Geschenk. „Die Jungs laufen Vollgas, wir schultern sie raus, bevor sie brennen.“ Olise wird laut Trainer „hundertprozentig“ in Bergamo starten, links außen, dribbelnd gegen Zappacosta, der italienische Nationalspieler, der sich auf schnelle Duelle einstellt. Dahinter Urbig oder Neuer – die Frage, die in München die Nacht bestimmt.Die Atalanta-Analyse läuft bereits, Kompany schaut Videos bis drei Uhr morgens. Drei Tage, um die Wade von Neuer zu scanen, die Nerven der Fans zu beruhigen und die Taktik zu finalisieren. Denn wer in Bergamo verliert, der fliegt raus aus dem Wettbewerb, den der FC Bayern seit 2013 nicht mehr gewonnen hat. Die Uhr tickt. Die Wade entscheidet.
