Neuer-ausfall droht: bayern vor bergamo-showdown ohne müllers kompaß?

Manuel Neuer humpelte in die Kabine, die Allianz Arena verstummte. 43 Minuten hatte der Kapitän gegen Gladbach durchgehalten, dann griff er sich an die Wade – und jeder im Stadion wusste: Das kann weh tun. Jetzt bangt der FC Bayern 72 Stunden vor dem Champions-League-Kracher bei Atalanta um seinen Weltmeister zwischen den Pfosten.

Trainer Vincent Kompany bestätigte nach dem 4:1 die erste Diagnose: „Er hat die Wadenmuskulatur gespürt.“ Kein Wunder, dass die Stimmung im Mixed Zone-Bereich direkt kippte. Drei Wochen war Neuer wegen eines Muskelfaserrisses raus, Freitag sollte sein Comeback sein. Jetzt droht der nächste Zwischenfall.

Neuers waden-comeback endet mit fragezeichen

Die Szene verlief wie gehabt: Nach der Pause blieb Neuer in der Kabine, Jonas Urbig übernahm. Gegen Bremen war es dieselbe Prozedur – und endete mit zwei verpassten Partien. Die medizinische Abteilung wird in der Nacht von Sonntag auf Montag Ultraschallbilder studieren. Erst dann entscheidet sich, ob der 39-Jährige mit dem Team nach Italien fliegt.

Die Personalie wirkt wie ein Domino. Ohne Neuer verliert Bayerns Abwehr nicht nur ihre Kommandostimme, sondern auch die versteckte Anlaufstelle für Bälle, die sonst in der Gegenpresse versinken. Atalantas Hochpressing lebt von genau diesen kleinen Unsicherheiten.

Doch damit nicht genug. Harry Kane, der gegen Gladbach wegen eines Schlags auf dieselbe Wade pausierte, trainierte nur locker. Kompany schwärmt von „guter Körpersprache“, doch wer die Kabine nach dem Abpfiff verließ, sah den Stürmer mit deutlichem Schutzverband. „Hoffentlich schafft er das“, sagte der Belgier – ein Satz, der mehr Unsicherheit als Zuversicht transportiert.

Kompany plant bereits mit notlösungen

Kompany plant bereits mit notlösungen

Der Coach betont, er habe „Jungs, die einsatzbereit sind“. Tatsächlich winkt Mathys Tel eine Startelf-Chance, Musiala rückt tiefer, Sané übernimmt die Zentrierung. Doch diese Puzzle-Varianten wirken wie ein Notprogramm. Denn Kane und Neuer sind nicht irgendwelche Stars – sie sind Bayners GPS im Spiel nach vorne und das Sicherheitsnetz nach hinten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit Neuer kassierte Bayern in dieser Saison 0,7 Tore pro Spiel, ohne ihn 1,4. Kane traf in acht von zehn Partien, in denen er durchspielte. Fehlen beide, sinkt die erwartete Torquote laut Datenanbiert Opta um 34 Prozent.

Am Dienstagmorgen um 9:00 Uhr startet die Maschine Richtung Bergamo. Ob Neuer an Bord ist, entscheidet sich in den nächsten Stunden. Die Atalanta-Fans feierten ihren Gegner bereits auf Social Media mit dem Hashtag #NeuerOut – ein ironischer Jubel, der bei den Bayern für zusätzlichen Brennstoff sorgt.

Ein letztes Bild bleibt vom Samstag: Neuer, den Blick nach unten, ein Eisbeutel an der Wade. Ringsum Kinder, die ihn nach Autogrammen fragen. Er lächelt, doch die Augen sind müde. 120 Minuten Europa-Cut – das wäre am Mittwoch sein 131. Spiel im Europapokal. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.