Neuer lacht über gegentor, doch seine parade-serie macht real verrückt

40 Jahre alt, neun Glanzparaden, ein verschmähter Silberpokal – und trotzdem lacht Manuel Neuer. „War der erste schon drin? Ist ja ’ne Frechheit“, quetscht er nach dem 2:1 im Bernabéu heraus, als hätte er gerade einem Nachbarsjungen den Ball geklaut, nicht Kylian Mbappé und Vinícius Junior die Seele aus dem Leib gekämpft.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Neun xG vernichtet, zwei Punkte gerettet, eine Auswärtsführung geschaffen, die Bayern in der Champions-League-Kür erst einmal auf Pole position bringt. Doch der Kapitän schaut nicht auf Statistiken, er schaut auf den Rasen – und dort hatte er selbst den besten Mann gesehen: sich. „Weltklasse“, sagt Mats Hummels, der ihn seit der U-Nationalmannschaft kennt, „aber diesmal mit Sternchen.“

Die sekunde, in der selbst neuer den faden verliert

Die 83. Minute. Mbappé nimmt einen Querschläger mit der Hacke, dreht sich, zieht mit links. Neuer ist noch dran, die Handfläche streift den Ball, doch die Rotation ist perfide, der Lederzipfel kullert über die Linie. In der Pressezone flackert das Tor in Endlosschleife, doch Neuer schüttelt nur den Kopf. „Schade, dass es kein 2:0 geworden ist“, sagt er, als hätte jemand vergessen, den Kaffee nachzuschenken.

Die Szene ist symptomatisch für Real Madrids Problem: selbst wenn sie ihn kriegen, kriegen sie ihn nicht richtig. Denn der Franzose trifft zwar, aber er jubelt nicht. Stattdessen schaut er zu Boden, weiß, dass dieser Treffer nur ein Kompromiss ist. Die Königlichen brauchen zwei Tore im Allianz, und sie wissen, wen sie dafür erneut überwinden müssen.

Bayern-innenverteidigung schwärmt von „aura“ – doch wie lange noch?

Bayern-innenverteidigung schwärmt von „aura“ – doch wie lange noch?

Jonathan Tah spricht von einer „Ausstrahlung, die Ruhe verbreitet“, Antonio Rüdiger nennt ihn „den besten Bayern-Spieler auf dem Platz“. Was niemand laut sagt: Diese Aura wird 40 am 27. März. Im Sommer läuft der Vertrag aus, die Verlängerung steht noch aus. „Es macht Spaß mit den Jungs, deshalb bin ich trotz meiner 40 immer noch dabei“, sagt Neuer, doch die Formulierung klingt wie ein Seitenhieb auf jene, die seine Zukunft verhandeln.

Die Frage ist nicht, ob er noch kann – das bewies er im Bernabéu erneut –, sondern ob er noch will. Die nächste Woche wird zeigen, ob die Münchner den Pokal nur ausleihen oder ob sie mit Neuer als lebendiger Mauer ins Halbfinale einziehen. Real hat bereits angekündigt, „noch mehr Druck“ aufzusetzen. Wenn das kein Kompliment ist, weiß ich auch nicht.