Nebel zieht mainz den kopf aus der schlinge – frankfurt verspielt europa

Mainz – 89. Minute, Mewa-Arena. Der Rasen dampft, die Tribüne bebt. Paul Nebel wirbelt aus drei Metern den Ball über die Linie, wirft sein Trikot wie einen Siegesfahnenhut und lässt 31.500 Menschen vergessen, dass ihre Mannschaft vor acht Wochen noch im freien Fall war. Mit dem 2:1 gegen Eintracht Frankfurt hat der 1. FSV Mainz 05 den Relegationsplatz verlassen und die Saison neu geschrieben.

Die szene, die alles drehte

Zuvor hatte Michael Zetterer mit den Fingerspitzen einen Kopfball von Nelson Weiper noch vor die Füße pariert. Der Abpraller landete bei Nebel, der in der Nachspielzeit schon wieder sprintet, als hätte er 90 Minuten lang nur darauf gewartet, diesen Moment zu ernten. Sein zweiter Treffer war keine Kunst, sondern reine Willensenergie – und sie schleuderte Frankfurt aus der Europa-League-Zone. Die Hessen bleiben bei 38 Punkten stehen, Mainz springt auf 30 und hat plötzlich Luft.

Die Partie begann furios. Nach 120 Sekunden flog die erste Gelbe, nach sechs Minuten lag der Ball im Netz. Ein abgefälschter Schuss von Nebel täuschte Zetterer aus, es war bereits sein drittes Tor oder Vorlage in den letzten vier Spielen – davor brauchte er 23 Partien für eine einzige Torbeteiligung. Die Mainzer starten mit einer Aggressivität, als wäre Abstieg kein Wort, sondern ein persönlicher Angriff.

Frankfurt antwortet, verliert dann aber den faden

Frankfurt antwortet, verliert dann aber den faden

Nathaniel Brown glich aus, nachdem Jean-Matteo Bahoya die Mainzer Abwehr mit einem einzigen Dribbling auseinanderzog. Doch der Linksverteidiger musste kurz vor dem Seitenwechsel angeschlagen raus, mit ihm die Dynamik der Gäste. In Hälfte zwei dominierte Frankfurt zwar die Ballbesitzquote, doch sie war so nutzlos wie ein Regenschirm im Starkregen. Kaishu Sanos Lattenkopf und Ritsu Doans Reflextat von Batz waren die einzigen Momente, in denen die Arena aufstöhnte.

Dazwischen: Aluminium-Ausbeute für Mainz. Sheraldo Becker trifft in der 84. Minute erst den rechten, dann den linken Pfosten – ein Doppelschlag, der für Frankfurt beinahe symbolisch war: nah dran, aber nicht drin. Die Eintracht hatte 63 Prozent Ballbesitz, doch Torschüsse aus 16 Metern zählen nur, wenn sie nicht von Verteidigern blockt werden. Mainz dagegen schaltete auf Konter, ließ die Uhr ticken und wartete auf den einen Moment, in dem Nebel wieder auftauchte.

Der blick nach vorn

Der blick nach vorn

Nach der Länderspielpause geht es für Mainz nach Hoffenheim – ein Ort, an dem sie in der Vergangenheit oft verloren, aber selten untergegangen sind. Frankfurt empfängt Köln, muss gewinnen, will gewinnen, darf aber nicht verlieren. Die Saison ist noch lang, aber für Mainz ist sie jetzt wieder eine, die man aushalten kann. Und für Nebel? Der hat in vier Spielen mehr Tore erzielt als in den 23 davor. Manchmal reicht ein Frühling, um eine Karriere oder sogar einen Klub zu retten.